Chorus meines Lebens. Klagelieder 3, 21-26 – WonWay 16.12.2017

von / Montag, 25 Dezember 2017 / Veröffentlicht inPredigt

Wir haben heute einige Lieder gemeinsam gesungen, um Gott unseren Dank und unsere Wertschätzung auszudrücken. Die Lieder hatten einzelnen Strophen und einem immer wiederkehrenden Refrain. Meistens steckt in einem Refrain das, was ein Song gebündelt ausdrücken möchte oder was inhaltlich am Wichtigsten ist. In typischen Weihnachtsliedern taucht in dem Chorus dann immer wieder das Wort „Weihnachten“ beispielsweise auf, damit selbst, wenn man mal eine Strophe nicht aufpasst, man weiß: Aha, das Lied dreht sich um Weihnachten.

Ich möchte mit euch heute einen Songwriter anschauen und was er für Lieder geschrieben hat. Dieser Songwriter heißt Jeremia und ist ein Prophet in Israel, der um 650 vor Christus geboren worden ist. Ein Prophet bekam die Aufgabe, eine Botschaft, die Gott ihm mitgeteilt hatte, an das Volk weiterzugeben. Jeremia lebte zu einer Zeit, die sehr, sehr schwierig war. Israel war damals in zwei Teile geteilt: einem Südreich und Nordreich. Jeremia lebte im Nordreich, das zu seiner Zeit von den Babyloniern angegriffen wurde und zu einem Vasallenstaat wurde, das bedeutet, dass sich das Nordreich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Babyloniern befand und Tribute zahlen musste.

Ich will da geschichtlich nicht mehr in die Tiefe gehen, aber wir müssen festhalten, dass Jeremia als Songwriter in einer politisch, aber auch sozial super schwierigen Zeit lebte. Und wir werden uns heute angucken, wovon seine Songs denn so handeln. Also was schreibt ein Mann, der viel Leid erlebt? Und was macht dieser Mann, dieser Liederschreiber zu seinem Chorus? Was ist das, was ihm so wichtig ist, dass er es immer wieder wiederholt.

Ich möchte euch das heute nach und nach zeigen, aber vorher ist meine Frage an dich:

Wenn man über dein Leben einen Song schreiben würde, was würde dann in deinem Refrain oder in dem Chorus stehen? Was wäre das, was du immer wieder wiederholen wollen würdest, weil es von besonderer Bedeutung ist? Zum Beispiel kann der eigene Partner von dieser großen Bedeutsamkeit sein. Lucie und Johannes haben jetzt geheiratet und ich kann da nicht aus Erfahrung sprechen, aber ich bin mir sicher, dass ein Partner viel von den Gedanken und auch dem Leben generell ausfüllt. Also viellleicht würde es in deinem Chorus für dein Lebenslied um die „Liebe deines Lebens“ ( FOLIE ) gehen. Oder vielleicht ist der Verein für dich besonders wichtig und in deinem Chorus würde es um „den Verein gehen- die große Leidenschaft“ ( FOLIE ). Oder vielleicht ist bei dir auch gerade sehr zentral der Leistungskurs, den du gewählt hast und vielleicht würde es in deinem Chorus um „Den Leistungskurs, der mir das Leben erschwerte“ gehen ( FOLIE ). Oder aber euch hat die Frage nach dem, der euch in eurem Leben liebt, so beschäftigt, dass es darum gehen würde: „Die Suche nach dem, der mich liebt.“

Vielleicht würde es aber auch in deinem Chorus um etwas ganz Anderes gehen. Ich bitte euch, dass ihr euch einmal dazu eine Minute Zeit nehmt, um euch Gedanken darüber zu machen. Wenn euch das hilft, könnt ihr den Chorus auch in euer Smartphone eintippen. Behaltet ihn auf jeden Fall, denn ich werde noch darauf eingehen.

(eine Minute warten lassen, um die Zuhörer nachdenken zu lassen)

Ich habe mich auch gefragt, was der Chorus meines Lebens sein könnte. Ich mag mein Leben und würde sagen, dass ich sehr beschenkt mit meinem Leben bin. Trotzdem gibt es da diese Zeiten, in denen ich Leid erlebe, Fragen habe, nicht verstehe, warum Gott mir nicht gibt, worum ich denn bitte und nicht so handelt, wie ich mir das vorstellen würde. Also ich könnte nicht in meinen Chorus schreiben: „Mein Leben- eine einzige Sommerpoolparty“ ( FOLIE ) oder „ Mein Leben- eine Achterbahn, die immer nur bergauf fährt“. Ich könnte auch nicht, obwohl ich ein sehr fröhlicher Mensch bin, den Chorus für mein Lebenslied nennen „Freude- das einzige Gefühl, das ich jemals gespürt habe“. ( FOLIE ) Das wäre alles nicht ganz ehrlich.

Hinführung zum Monolog von Jeremia

 

Ich habe bereits erwähnt, dass wir uns heute Jeremia angucken wollen und schauen, was wohl der Chorus seiner Songs sein könne. Dafür gibt es ein Buch in der Bibel, das nur seine Lieder enthält und zwar heißt dieses Buch: Klagelieder.

Jeremia hat Klagelieder geschrieben. Offensichtlich enthält es Lieder, Songs. Aber inhaltlich geht es in diesen Songs, anders als in denen, die wir vorhin gesungen haben und noch singen werden, hauptsächlich um die Klage, um eine Beschwerde. In gewisser Weise beschwert sich Jeremia in einem gesamten Buch bei Gott über das, was er gerade erlebt. Ist das nicht interessant? Ich denke manchmal, dass ich gegenüber Gott eigentlich nicht klagen dürfte und alles so hinnehmen muss. Aber in der Bibel gibt es nicht nur ein Vers, nicht nur ein Kapitel, sondern ein gesamtes Buch, das nur der Klage gewidmet ist.

Die Frage ist: War Jeremia einfach nur ein Mecker-Typ oder warum hatte er so viel Grund für so viel Klage? Ich werde euch dafür einen Monolog aus seiner Sicht vortragen. Wir wissen nicht ganz genau, was er gefühlt und gedacht haben muss, aber vielleicht hatte er ähnliche Gedanken, wie diese hier.

Monolog ( FOLIE- BRAND)

Musste denn erst alles zerstört werden?

Musste denn erst eine ganze Stadt brennen?

Warum?

Geschichtlich können wir in der Bibel in dem Buch 2. Könige 25 nachlesen, wie die Zerstörung Jerusalems genau ausgesehen hat. Meine eigene Vorstellungskraft reicht nicht aus, um mir auszumalen, wie das gewesen sein muss. Denn mit der Verbrennung Jerusalems brannte nicht nur nicht nur ein materieller Gegenstand, nicht nur ein Gebäude, nicht nur das Zuhause von Menschen, sondern mit Jerusalem verbrannte auch der Traum vom Leben. Die Israeliten, die in Jerusalem gelebt hatten, wurden nach Babylon verschleppt. Mit der Stadt Jerusalem und dem Tempel in ihr verband man auch Gottes Präsenz. Gott war mitten unter ihnen in dem Tempel. Nun wurden sie aber nach Babylon weggeführt, in ein Land, in dem Heidenkult herrschte. In einem Land, in dem sie nun Fremde waren, Ausländer. Welche Emotionen haben da wohl alles mitgespielt? Angst, Verzweiflung, Trauer, Resignation, vielleicht auch Wut und Hass.

( Pause )

Meine Frage lautet jetzt: was war wohl der Chorus von seinen Songs? Was war das, was ihm so besonders wichtig war? Genau das möchte ich mit euch jetzt in den nächsten Minuten herausfinden.

Überblick über das Buch Klagelieder

Dafür werde ich euch einen knappen Überblick darüber geben, was dieses Buch Klagelieder denn beinhaltet. In gewisser Weise schauen wir jetzt wie in das Booklet einer CD oder die Spotify Playlist der Klagelieder an.

Was enthält denn diese Klage?

(Beamerbild zeigen)

Insgesamt gibt es fünf Lieder in dem Buch Klagelieder. Es wäre also eigentlich mehr eine EP, als eine CD oder eine relativ kurze Playlist. In dem ersten Lied geht es um die Zerstörung Jerusalems und all das Elend, das damit verbunden ist. Wäre das ein Song, bestünde er sicher aus einer Menge an Moll-Akkorden. Im zweiten Lied geht es um Gott selbst und seine Reaktion auf das, was Israel getan hat. Wir haben das schon in dem Monolog gehört, aber Israel hat eben nicht auf Gott gehört und war ungehorsam und hat Götzen angebeten, anstatt ihren Gott. Interessant dabei ist, dass in dem Buch Klagelieder viele strukturelle Elemente sind, die sehr faszinieren. Würde ich eine CD aufnehmen, würde ich mir das zum Vorbild nehmen. Es gibt nämlich in dem Buch Klagelieder Kapitelpaare, die sich thematisch entsprechen. Das Buch ist also chiasmisch, wie man so sagt, aufgebaut. In Kapitel 1 und 5 geht es um die Menschen und ihr Leiden, in Kapitel 2 und 4 um Gott, seinen Zorn und sein Gericht. Jetzt fällt euch wahrscheinlich Folgendes auf: Richtig, das Kapitel 3 fällt dort irgendwie heraus. Alle Lieder haben exakt 22 Verse . Kapitel 3 hat nicht 22 Verse, sondern 66. Genau dreimal so viel!

Bevor ich mich mit dem Buch Klagelieder beschäftigt habe, wusste ich gar nicht, dass in einem Buch der Bibel so viel strukturelle Kreativität stecken kann. An alle die gerade im Deutsch-Leistungskurs in der Schule sind: Das wäre doch einmal etwas für eine Analyse!

Kapitel 3 ist also auffällig. Es ist umschlossen von den anderen Kapiteln, die von Klage und Leid handeln. Kapitel 3 hingegen ist in gewisser Weise das Herzstück des gesamten Buches und inhaltlich deswegen besonders bedeutsam.

Was war denn das, was Jeremia zentral gesetzt hat, weil es besonderen Wert hat?

Ich erinnere euch noch einmal an den Monolog und all das Leid, das Jeremia erlebt hat. Was könnte der Chorus sein, was ist das, was so besonders wichtig war? (kurze Pause)

Das ist das Verrücke, denn die zentralen Verse von Kapitel 3 beschäftigen sich mit der HOFFNUNG.

Exegetische Betrachtung des Bibeltextes.

Ja, ihr habt richtig gehört: Es geht in dem zentralen Kapitel des Buches um die Hoffnung! Nicht darum, dass er sich von Gott abwenden möchte, weil er all das Leid nicht ertragen kann. Auch nicht darum, dass er Gott als ungerecht sieht. Nicht darum, dass er aufgibt, weil es für ihn keinen Sinn mehr trägt. NEIN, ES GEHT UM HOFFNUNG!

In all dem formuliert Jeremia die folgenden, erstaunlichen Verse (FOLIE ). Ich lese sie aus der Übersetzung von Elberfeld.

Doch dies will ich mir in den Sinn zurückrufen, darauf will ich hoffen:

Ja die Gnadenerweise des Herrn sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue. Mein Anteil ist der Herr, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Gut ist der Herr zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt. Es ist gut, dass man schweigend hofft, auf die Rettung des Herrn.“

Klagelieder 3,21-26

Hier passiert eine Wendung. Vorher hat Jeremia nur geklagt. Aber jetzt sagt er, dass er sich zurückerinnern möchte. Er will sich neu eine für ihn erkannte Wahrheit zurückrufen. Wenn man sich an etwas erinnert, dann ist das so, als würde man eine Schatzkiste (Schatzkiste zeigen ), in der man etwas aufbewahrt hatte, wieder hervorholen und dort hineingucken. Und genau das macht Jeremia. Er guckt in eine Schatzkiste und findet darin:

Gottes Gnadenerweise sind noch nicht vorbei. Das bedeutet: die gegenwärtige Situation ist nicht das Ende. Es geht weiter. Es ist nicht beendet. Denn Gott ist immer noch ein gnädiger Gott. Das gehört zu seinem Charakter. Und solange es Gott gibt, solange wird es auch seine Gnade geben, weil das Beides nicht voneinander zu trennen ist. Gott ist gnädig. Trotz allem, was sie gerade erleben. Gnädig bedeutet, dass

Noch mehr: Gott ist voller Erbarmen. Erbarmen und Gnade sind eigentlich zwei sehr ähnliche Worte. Aber beim Erbarmen schwingt noch eine andere Note mit: Erbarmen bedeutet eine liebevolle, mütterliche Hilfe, die von Mitleid gekennzeichnet ist. Das zeigt, wie Gott es dabei geht, wenn Menschen leiden: er leidet mit. Ihm ist das nicht egal. Wie eine Mutter leidet, wenn ihr Kind sich verletzt, so leidet Gott mit.

Und diese Gnade und dieses Mitleid kommen nicht erst in drei Jahren. Jeremia schreibt: „Es ist jeden Morgen neu.“ Jeden Morgen ist Gottes Erbarmen und seine Gnade neu für uns vorhanden und da. Täglich. 24 Stunden.

Vielleicht geht es euch, so wie mir: Ich habe mich so gefreut, als ich entdeckt habe, dass ein gesamtes Buch der Bibel nur der Klage gewidmet ist. Irgendwie tut uns das auch mal ganz gut, zu wissen, dass das ebenso seine Berechtigung hat. Mich haben dann aber diese ersten Verse von Jeremia fast einbisschen unzufrieden gemacht: Wie kann denn dieser Mensch jetzt davon reden, dass Gott gnädig ist? Und ja- Jeremia erlebt zwar gerade nicht so spürbar, aber er erinnert sich zumindest daran, dass er Gottes Gnade mal erlebt hat. Wie kann denn Jeremia so sein? Und schön und gut- Gott leidet irgendwie mit. Aber um ehrlich zu sein, möchte ich nicht, dass Gott mitleidet, sondern das er mein Leid einfach wegnimmt. Freut mich, dass Gott mütterliche Gefühle hat, aber hey die Mühe wäre es doch gar nicht wert, wenn er einfach die Situationen so schaffen würde, in denen er niemals mit uns Mitleid haben müsste.

( Kurze Pause )

Je länger ich mich mit diesem Bibeltext beschäftige, desto mehr stelle ich jedoch fest, was für ein Geschenk uns Jeremia da macht. Wir werden hier nämlich eingeladen, unabhängig von unseren äußeren Umständen zu sein. Es geht nicht darum, was du erlebst. Es geht darum, wie dein Blick darauf ist und ob du dann trotzdem Hoffnung haben kannst. Ist das nicht noch viel kostbarer? Jeder kann hoffnungsvoll sein, wenn er gerade auf der Achterbahn seines Lebens sitzt und es immer nur bergauf geht. Aber auch dann Hoffnung zu haben, wenn das Leben eben gerade abwärtsgeht, ist das, was wirklich kostbar ist!

Ich habe vorhin gesagt, dass in diesen Versen eine Wendung passiert. Bisher ist Jeremia noch relativ passiv geblieben und hat in den ersten Versen thematisiert, wie Gott und sein Charakter ist. Jetzt geht es darum, was die individuelle Bedeutung dessen ist. Inwiefern hilft Jeremia denn dieses Wissen? Was macht er daraus? Und was können du und ich daraus machen?

Mein Anteil ist der Herr, sagt meine Seele. Darum will ich auf ihn hoffen.

Das klingt nach sehr alter Sprache, die heute keiner mehr benutzt. Was bedeutet es denn, dass der Anteil der Herr ist? Es bedeutet, dass der Herr unser Besitz, unser Reichtum ist; das Einzige, worauf es sich zu vertrauen lohnt. Jeremia hat alles verloren, aber nicht Gott. Gott ist immer noch da! Auf ihn kann er sich verlassen, denn Gott kann ihm nicht einfach so weggenommen und verbrannt werden.

Jeremia formuliert in den nächsten Versen, was das für alle bedeutet, die an Gott glauben:

Gut ist der Herr zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt. Es ist gut, dass man schweigend hofft auf die Rettung des Herrn.“

Gut ist Gott. Jeremia sagt, dass Gott gut ist, trotz allem, was passiert ist.

Gott ist gut zu denen, die auf ihn harren und hoffen.

Ich habe euch anfangs gefragt, was der Refrain eures Lebens wäre. Der Refrain dieses Bibeltextes scheint die Hoffnung zu sein, die sich durchzieht und immer wiederkehrt. (Folie anzeigen: Bibeltext mit blau unterlegten Worten )

Hoffnung, Harren. Das bedeutet, an etwas zu glauben, was man gerade noch nicht sieht, aber noch in der Zukunft passieren wird. Hoffen bedeutet an mehr zu glauben. Hoffen bedeutet nicht zu ignorieren, dass Leid passiert, aber trotzdem um die Existenz von dem Guten zu wissen!

Ich möchte euch das noch deutlicher sagen: Hoffnung bedeutet nicht, das Leid plötzlich klein zu reden. Hoffnung bedeutet nicht, dass all das, womit ihr gerade kämpft, plötzlich ignoriert werden sollte. Aber Hoffnung bedeutet, dass nicht das Leid und das Elend unsere Gefühlswelt bestimmen muss. Hoffnung bedeutet, dass wir trotzdem an etwas Größeres glauben können.

Jeremia gibt als Tipp für jeden, auch für uns heute mit, dass es gut ist, wenn man schweigend auf Gott hofft. Das ist ein Tipp, den ich erst einmal wieder sehr unsympathisch finde. Ich warte nicht gerne. Ich schweige nicht gerne. Ich hoffe auch nicht gerne, ich will direkt erleben. Aber Jeremia sagt, man solle schweigend hoffen. Warum denn schweigend?

Als ich das nachgeschaut habe, war ich sehr erleichtert: Es bedeutet nämlich nicht, dass man nicht mehr reden darf. Stattdessen hat es etwas mit meinen inneren Gefühlen und Entscheidungen, mit meinem Herzen zu tun. Selbst ein unruhiger Mensch, also jemand, der viel Elend erlebt, kann in der Beziehung zu Gott Stille und Ruhe erleben, weil die Beziehung geklärt ist und Gott selbst die Stille ist, die ihm als Betenden Hoffnung gibt. Die äußeren Umstände können unruhig sein, aber es geht darum, in Gott einen Ruheort, einen Anker zu finden. Als ich hier in der Gemeinde noch FSJlerin war, bin ich manchmal zu der Mosel gegangen und habe einfach nur das Wasser beobachtet, wenn ich mich innerlich gestresst gefühlt habe. Das hat mich sehr beruhigt. Egal, wie unruhig ich in mir war, da war immer noch dieser Fluss, der ganz unbeeindruckt von meinen Gefühlen einfach so weiterfloss.

In Gott sind wir eingeladen, auch diesen Fluss zu finden.

Es ist aber nicht gemeint, dass man schweigen soll und damit passiv werden, sondern viel mehr, dass man überlegt handelt, nichts überstürzt. Manchmal passiert es mir, dass ich sehr impulsiv schnell eigene Lösungen entwickle, anstatt erst zu beten, diese innere Ruhe bei Gott zu finden und ihn nach einer Lösung zu fragen. Wenn wir Probleme, Sorgen, Gründe der Klage haben, dann lädt Gott uns ein, zu ihm damit zu kommen, erst einmal darüber beten, abwarten und dann handeln.

Praktische Übertragung

( wiederholtes Vorlesen des Bibeltextes )

Was können wir jetzt ganz praktisch aus Jeremia und aus seinem Umgang mit seinem Leiden lernen: Jeremia erlebt ganz viel Schreckliches, aber er lässt das, was er gerade erlebt, kein Widerspruch zu Gottes Gnade, Gottes Liebe, Gottes Fürsorge sein. Er hält trotzdem fest an der Hoffnung.

Er hat früher erlebt, wie Gott Wunder getan hat und genau darauf baut er auf. Er vergisst nicht all das Gute, sondern er lässt das die Grundlage für noch viel mehr sein.

Was bedeutet das für mich?

Für mich bedeutet das, dass ich diese Wunder in meinem Leben sammeln muss, wie eine Schatzkiste. Ich muss sammeln, was ich an großartigen Erlebnissen mit Gott erfahren habe, um mich dann, wenn härtere Zeiten kommen, daran zurückerinnern zu können. Meine eigene Schatzkiste ist leider wenig romantisch, sondern einfach nur ein sehr praktisches digitales Dokument auf meinem Laptop mit der Überschrift „Meine Erlebnisse mit Gott“. In diesem Dokument habe ich beim Schreiben der Predigt angefangen, alles zu sammeln, was mir an Erlebnissen einfällt, die ich mit Gott erlebt habe: Wunder, Überraschungen, Situationen, in denen ich staunend dastand und realisiert habe, dass es eben einen guten Gott geben muss. Als ich angefangen habe, diese Geschichten aufzuschreiben, konnte ich kaum aufhören. Ich wurde ganz bewegt davon, was Gott alles schon in meinem Leben getan hat und wie gut er zu mir gewesen ist. Aber wisst ihr, was das Verrückte ist? Sooft sind meine Erlebnisse mit Gott das Ergebnis von Prozessen. Sooft musste ich erst durch einen Prozess hindurchgehen, der nicht immer leicht war. Manchmal dauert es, bis sich unsere Umstände verändern. Aber Gott ist in diesen Zwischenzeiten immer noch gut zu uns und uns treu. Die Frage ist, ob wir auch treu bleiben.

Ich möchte euch ermutigen: Sammelt eure Erlebnisse mit Gott. In welcher Form auch immer, aber sammelt es, erzählt euch davon, ermutigt euch gegenseitig!

Vielleicht gibt es welche unter euch, die noch keine Erfahrungen mit Gott gemacht haben und die sagen: Ja, aber meine Schatzkiste ist eben noch sehr leer. Ich könnte kein Dokument mehr füllen. Dann möchte ich euch heute ermutigen, das jetzt als Anlass zu nehmen, um eure Schatzkiste füllen zu lassen. Gebt Gott jetzt die Chance, egal, was ihr gerade durchmacht, euch Hoffnung geben zu lassen. Betet. Redet mit Menschen. Lest in der Bibel. Und erwartet, dass Gott eure Situation verändern möchte und euch Hoffnung geben will.

( Kurze Pause )

Ich habe euch zu Beginn gefragt, was denn der Chorus oder der Refrain eures Lebens ist. Ich wünsche mir, dass die HOFFNUNG der Chorus meines Lebens ist. Es gibt Strophen in meinem Leben, in denen ich klage. Es gibt Strophen in meinem Leben, in denen ich da sitze und nicht weiß, wie ich weitergehen soll. Aber es gibt die Hoffnung, die sich immer wiederholt. Ich habe erfahren, dass Gott es gut mit mir meint und das gibt mir eine Grundlage für alles das, was kommt.

Ich wünsch mir, ich wünsch dir, ich wünsch jedem Einzelnen von uns, dass wir von Jeremia in diesem Punkt lernen können. Ich wünsch mir, dass wir davon lernen können, dass trotz Klagen und trotz Leid, das wir erleben, dass der Refrain trotzdem die Hoffnung ist, die wir in Gott finden. Jerusalem wurde wieder aufgebaut, aber das hat gedauert und Jeremia hat das nicht mehr miterlebt. Trotzdem hatte er Hoffnung. Ich wünsch uns, dass Hoffnung und der Glaube daran, dass Gott uns Gutes tun möchte, sich durchzieht und wir den nicht vergessen!

Entscheidend ist nicht, warum Gott all das zufügt, was uns passiert.

Entscheidend ist, wie wir damit umgehen und ob wir das als Anlass nehmen, um die Hoffnung zu dem Chorus unseres Lebens zu machen.

Amen!

OBEN
n/a