God is dead – God is dad!
Predigt C.m.C. 21.05.2016

von / Donnerstag, 26 Mai 2016 / Veröffentlicht inPredigt

Du hast gerade den Trailer gesehen: Hast du dich angesprochen gefühlt? Hasst du Gott? Ihr könnt echt gespannt sein auf diesen Film! Ich habe lange überlegt, um welche Frage es bei dem Film in erster Linie geht: Ist es die Frage: Gibt es Gott? Also die Frage nach der Existenz Gottes? Oder ist es die Frage: Lebt Gott oder ist er tot? Der Student diskutiert lange mit dem Professor über die Frage, ob es Gott überhaupt gibt. Aber der Film heißt „Gott ist tot.“ Und wenn jemand tot ist, dann muss er ja vorher existiert haben, sonst könnte er ja nicht sterben. Also  worum geht es eigentlich? Ich denke, es kommt auf die Reihenfolge an:

(zum Sarg gehend) wenn jemand tot ist, dann war er mal existent, ist es in diesem Moment aber nicht mehr für dich. Das gilt für den leiblichen Tod, aber auch für den gesellschaftlichen Tod. Har dir schon mal jemand die Freundschaft gekündigt, weil er / sie nicht mehr mit dir zufrieden war? Oder hast du mal einen Freund in die Wüste geschickt, weil er einfach nicht zuverlässig war – so wie wir es gerade im Drama gehört haben? Kennst du das, wenn sich die eigenen Eltern um dich streiten, es eigentlich aber gar nicht um dich geht, sondern ausschließlich deren Probleme? Hat dir schon mal jemand in der Mannschaft ernsthaft Druck gemacht, weil du beim Spiel nicht da warst? Oder hattest du schon mal einen Lehrer, der dich aufgegeben hat? Leute für die du gestorben bist,  (Sarg in die Mitte ziehen) oder Leute, die für dich gestorben sind, weil sie dich enttäuscht haben?

 

Mitten hinein in die Theater-Szenen haben wir vorhin immer wieder die Stimme Gottes gehört. Gott, der gerne in die Situation eingreifen möchte. Der aber einfach nicht gehört wird und der am Ende fragt: „Sag mal – bin ich eigentlich tot für dich? Bin ich für dich gestorben?“

 

„Für mich bist du gestorben!“ Persönliche Situation? (Evtl. ansprechen: Jugendgruppenleiter, der immer für mich da war. Als ich 10-17 Jahre alt war, konnteich immer zu ihm kommen. Bei seinen Birthdays haben wir sein Zimmer gefüllt; 15 Leute auf 9 m2 – kein Problem. Bis er dann plötzlich seine Karriere und seine Frau mir /uns vorzog – grrr)

 

Also: Wenn jemand für dich gestorben sein soll, braucht das zwei Voraussetzungen: Er muss vorher gelebt haben. Und du kannst oder willst mit ihm keine Beziehung mehr haben. Viele Menschen, ja die meisten sagen auch heute noch: „Ja, es gibt einen Gott!“ Die Frage nach der Existenz Gottes, einem höheren Wesen ist gar nicht so umstritten. Nur die wenigsten sagen: „Es gibt keinen Gott!“ Wenn ich mir diese Welt so anschaue, denke ich mir, dass die Wahrscheinlichkeit, dass all das nur durch einen Zufall entstanden ist, geringer ist, als die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Gott gibt, der dahinter steht!

ABER: dass es Gott gibt, heißt noch lange nicht, dass ich etwas mit ihm zu tun haben will.

Im Gegenteil: Bloß weil es da irgendjemand gibt, muss ich ja nicht gleich sein Freund sein.

Bloß, weil du denkst, dass es einen Gott gibt, muss das ja noch lange keine ernsthaften Konsequenzen für dein Leben haben, oder? Bei unserer Konfi-Umfrage vor sechs Wochen haben fast alle von euch gesagt, dass es einen Gott gibt. Aber viele von euch wissen noch gar nicht, wer dieser Gott ist und wie er ist.

Gerade in Deutschland gibt es viele Menschen, die nicht an EINEN bestimmten, persönlichen Gott glauben, sondern an ein undefiniertes ‚Höheres Wesen‘ oder, schlimmer noch, an einen Gott, den sie sich aus Kindergeschichten und Filmen selbst zusammengebastelt haben.

Und dadurch passiert es dann, dass mir Konfis (oder auch andere Menschen) immer wieder sagen, dass sie Gott und die Bibel „doof“ und „langweilig“ finden, dabei haben sie aber noch nie in der Bibel gelesen oder Gott auf andere Weise richtig kennen gelernt. Das finde ich eine Katastrophe. Die logische Konsequenz für diese Menschen ist dann, Gott einfach für tot zu erklären, weil er so nämlich nichts mit deinem Leben zu tun hat.

FLIPCHART:  God is dead! “Gott ist tot.”  (Nitzsche)

Diesen Satz sollen im Film die Studenten des Philosophiekurses auf einen Zettel schreiben und unterschreiben. Und fast alle tun das auch sofort, vielleicht zu recht, denn für viele ist Gott ja auch tot. Sie kennen ihn gar nicht. Sie lieben ihn nicht und sie fürchten ihn auch nicht.

ER SPIELT IN IHREM LEBEN KEINE ROLLE. Und wenn etwas für mich keine Rolle spielt, dann ist es ja wie tot.

Ich möchte euch jetzt kurz von zwei Brüdern erzählen. Vielleicht erkennt ihr euch ja irgendwie in ihnen wieder. Sie wirken äußerlich sehr unterschiedlich, aber begehen beide den gleichen Fehler, nur auf sehr unterschiedliche Weise. (frei nach Lukas 15)

Der erste Sohn, wir nennen ihn mal Markus, denkt sich: „Klar habe ich einen Vater, aber ich will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Ich will raus in die große weite Welt. Aber dazu brauche ich Geld.“ Er ist der, der geht. “Gib mir mein Erbe.“ sagt er zu seinem Vater. Hey, wann bekommt man ein Erbe ausbezahlt? Eigentlich nur, wenn jemand tot ist, oder?!

Also sagt er eigentlich: „Für mich bist du tot. Ich will raus. Mich hält hier nichts mehr.“ Er erklärt damit irgendwie den Vater für tot. (LK 15 weiter erzählen). Markus scheitert also. Kehrt reuig zurück, und findet sich und seine Lebensfreude erst wieder zurück beim Vater. Ein Vater, der er nun besser versteht, den er jetzt nicht mehr für tot erklärt, indem er wieder nach Hause kommt.

Der zweite Sohn, nennen wir ihn Karsten, ist zu Hause geblieben. Er erklärt den Vater nicht für tot, tut es dann aber unbewusst irgendwie doch. Kennt ihr die Geschichte? (Vom zweiten Sohn erzählen Lk 15). Karsten erlebt und lebt auch nicht das, was er eigentlich könnte. Der Vater bietet ihm eine echte Beziehung an, aber Karsten ist zu beschäftigt, um darauf einzugehen. Karsten ist für mich so wie manche Kirchgänger, die zwar kommen, aber nicht offen sind für das, was sie eigentlich finden könnten.

 

Also – für beide ist Gott tot. God is Dead. Aber Gott möchte kein toter Vater für sie sein.

Er möchte ihr Vater sein! Er möchte für sie sorgen, für sie da sein. Er möchte ihr VATER sei. Und mindestens einer von beiden Söhnen hat das bemerkt. Wenn auch spät. Aber ER ist nach Hause zurückgekommen. Und er erlebt: Der Vater lebt. Der Vater liebt mich! Er möchte mein Papa sein, für mich da sein. Mich lieben. Mit mir eine Beziehung haben. Ich bin nicht tot. Er ist nicht tot. Er ist mein Papa. God is DAD.

Wenn wir den Sarg hier jetzt aufmachen (Sarg an der Bühne ist leer, aber ein Licht strahlt), wenn DU den Sarg aufmachst, in den DU Gott vielleicht gesteckt hast, wirst du sehen, dass der leer ist bzw. voller Licht und Leben ist. Denn Gott ist NICHT tot!

Und das hätte der andere, dagebliebene Sohn auch sein Leben lang erfahren können, wenn er nicht so mit seiner Arbeit beschäftigt gewesen wäre. Er hätte erfahren dürfen: Der Vater lebt. Und der Vater liebt mich!

Und du? ‚Hasst‘ du Gott? Oder ‚hast‘ du Gott? Liebst du Gott? Weißt du überhaupt, dass ER lebt und dich liebt und dein PAPA sein möchte?!

 

Beziehungsabbruch = Tot!
Beziehungserneuerung = Leben!

Was hast du auf DEINEN Zettel vorhin geschrieben?

Amen

OBEN
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