Predigt BigWonWay 15.05.2015

von / Sonntag, 17 Mai 2015 / Veröffentlicht inPredigt

„Du bist ein V.I.P. in Gottes Augen!“

Predigt Big WonWay im Kapuziner-Kloster am 15.05.2015


“You’re beautiful, wonderful – perfectly made
You’re meant to be what you see – You’re not a mistake!”
(Du bist schön – wundervoll – perfekt geschaffen.

Du bist so, wie du sein solltest & du bist kein Fehler!)

“Brighter than stars that shine. You light up the Maker’s eyes.
And you’d believe if you could see the smile on His face the moment you were made.”

(Heller als die Sterne scheinen, lässt du die Augen des Schöpfers aufleuchten. Und du würdest mir das glauben, wenn du das Lächeln auf seinem Gesicht gesehen hättest in dem Moment, in dem du gemacht wurdest.)

 

„Du bist schön! Wunderbar! Perfekt geschaffen! Du bist kein Fehler!“
Sind das nicht wunderbare Aussagen? Auch wenn wir uns selber oft so nicht sehen – wie gut tut es, wenn ein anderer uns das nicht nur sagt, sondern es uns zeigt in der Art und Weise, wie er uns anschaut, mit uns umgeht, mit mir spricht.

„Heller als die Sterne scheinen, lässt du die Augen des Schöpfers aufleuchten. Und du würdest mir das glauben, wenn du das Lächeln auf seinem Gesicht gesehen hättest in dem Moment, in dem du gemacht wurdest.“

Wow – was für eine schöne Vorstellung! Nicht nur meine Eltern hatten Freude, als ich entstand, sondern auch Gott?!

Die meisten Anmachsprüche sind ja ziemlich daneben. Aber ich muss gestehen, dass ich bei einem doch grinsen muss: „Als Gott dich geschaffen hat – da wollte er angeben.“ Wenn das jemand ernsthaft zu dir sagt, fühlt man sich so richtig geehrt, als jemand besonderes. Ein V.I.P. in den Augen des Gegenübers. Was macht einen V.I.P. zu einem V.I.P.? Wodurch – Wie werde ich zum V.I.P.?

Durch ein Planspiel (Kurz-Interview mit Curt) oder Teil eines Weinprinzessinnen Komitees (Kurzinterview mit Isi)? Durch ein Lied, das zum Hit wird – oder einen Film, der Weltbekanntheit erlangt? Durch ein Amt, die Politik oder eine Wahl? Ich möchte mit euch durch ein paar V.I.P. Momente meines Lebens gehen:

„Was hält länger als manche Bundespräsidentschaften?“… youcom!

2009 wurde Rudi mit drei weiteren youcom‘lern vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler auf sein Sommerfest eingeladen.

 

Als es 2010 endlich so weit war – war Köhler schon Geschichte und am Tag seiner Amtseinführung besuchten wir den frisch gekürten Präsidenten Christian Wulff im Schloss  Bellevue in Berlin. Dabei  überreichten ihm das 2. T-Shirt der damals frisch gegründeten youcom-Jugendgemeinde. Da unser erfahrener Fotograf Alex D. uns den Weg durch die ganzen Paparazzi und Security-Leute gebahnt hatte, gelang uns das, und ein Foto.

 

Am meisten beeindruckt haben mich aber nicht die vielen aktuellen Politiker, die da rumliefen, sondern dass Alt-Bundespräsident Richard von Weizäcker kurz mal vorbeischlappt kam. Die über 20jährigen unter euch können vielleicht ein bisschen die Ehrfurcht nachempfinden, die ich damals empfand. Und wow – wir waren zwar keine richtigen V.I.P´s, aber vom Gefühl her schon ziemlich nah dran!

Nun – Wulff und Köhler sind inzwischen Geschichte. youcom dagegen gibt es immer noch! Also scheinen wir ja auf´s richtige Pferd gesetzt zu haben …

 

Spannend finde ich  es auch, wenn ich mich jedes Jahr zu Weihnachten mit dreien meiner alten Schulfreunde treffe und wir uns austauschen, wo wir gerade im Leben stehen. In der Schule waren wir drei nicht gerade die Kids im Zentrum des Geschehens. Vielleicht keine krassen Außenseiter, aber eben nicht so sportlich oder cool oder reich wie andere. Einer meiner Freunde hat damals ein 1,0er Abi hingelegt und ist dann über seinen Glauben in die Politik gekommen. Nach seinem Studium ging´s dann ziemlich schnell steil bergauf bei ihm, und er kam als damals jüngster Bundestagsabgeordneter nach Berlin, wurde später auch noch jüngster Minister in Schleswig Holstein. Einen Audi A 8 als Dienstwagen, bekannte Spitzenpolitiker auf seiner Hochzeitsfeier, manchmal Personenschutz – da spürte ich schon einen Hauch von V.I.P.! (heute leitet er die Bundeszentrale für Verbraucherschutz). 

 

Auf dem Bild hier seht ihr ein paar youcomler mit unserem ehemaligen obersten Kirchenchef vom Rheinland, der damals auch noch EKD-Ratsvorsitzender war. Auf einem Treffen der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) wurde youcom 2009 als eines von 100 „Best Practice“ Projekten vorgestellt. Da kam also dann Präses Schneider an unseren Stand und boxte mir freundschaftlich an die Brust und sagte: „Mensch, Sommer – was sie da in Cochem so alles machen, klasse!“ Ich würde lügen, wenn heute sagen würde,  dass ich das damals nicht toll empfunden hätte, so in der Menge gesehen, persönlich erkannt und angesprochen und auch noch gelobt zu werden. Wow, die deutsche evangelische Kirchenspitze weiß, wer ich bin und was wir hier machen, und findet das auch noch gut!

Aber kennt dieser Präses mich wirklich? Bin ich ihm wirklich wichtig? Bin ich eine Very Important Person für ihn? Oder fühle ich mich bloß wichtig, weil ein V.I.P. mir freundschaftlich auf die Brust geboxt hat??? Würde er mich auch auf der Straße in Düsseldorf erkennen oder tut er das nur hier bei diesem Event, an meinem Stand?

 

Very important Person… Wann fühle ich mich so und wann bin ich es wirklich? Für die Ego-Wand sind das bestimmt gute Fotos und Momente. Aber machen sie mich zu einem Menschen, der für andere wichtig ist? Wirklich ‚V.I.P.‘ also:  wichtig, wertvoll und gesehen fühle ich mich eher in folgenden Momenten: Als unsere Küsterin Renate neu in der Gemeinde angefangen hat zu arbeiten, bekam sie mit, dass ich unwahrscheinlich gerne warme Milch für und in meinem Kaffee habe. Ich bin dann freudig fast vom Stuhl gefallen, als sie bei einem Treffen extra für mich Milch warmgemacht hat!

Ich fühle mich auch als V.I.P., wenn meine Frau Anette mir ein besonderes Frühstück hinstellt, und das, obwohl sie früher aufgestanden ist, die Kinder fertig gemacht hat und selber noch müde ist…

 

Oder wenn ich von einer Freizeit nach Hause komme – und meine Kinder mir ein Plakat aufgehängt haben, auf dem steht, dass sie sich freuen, dass der Papa  wieder zuhause ist… Dann fühle ich mich ‚Very important‘!

 

Versteht mich nicht falsch: Ich würde wieder auf das Sommerfest des Bundespräsidenten gehen, wenn ich die Chance hätte und ich freue mich, wenn ich Menschen kennen darf, die etwas bewegen. Aber die wahren V.I.P.‘s in meinem Leben sind eigentlich andere. Das sind doch eher die Menschen, die mir zeigen, dass ich geliebt bin, sogar mit meinen Schwächen und meinem Versagen. Menschen, die mir zur Seite stehen, auch wenn ich mich selber nicht lieben kann. Da zeigt sich dann wirklich, für wen ich ein V.I.P. bin bzw. wer für mich eine wirklich wichtige Person ist: wenn ich für sie da bin, auch wenn andere es nicht sind!

 

Woher kommt dieses Streben ein V.I.P. sein zu wollen? Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, Anerkennung und Liebe zu erfahren. Gott hat es in uns hineingelegt und es ist da wie ein Loch in unserem inneren Wesen, das wir nicht selber füllen können, so wie ich es gerade in das Plakat hier geschnitten habe.

 

Wir brauchen es, bedingungslos geliebt zu sein.

Nicht ‚besinnungslos beliebt‘ zu sein – sondern ‚bedingungslos geliebt‘! Das Gefühl können uns nur ganz vertraute und nahe Menschen manchmal vermitteln. Aber auch diese Menschen haben dieses innere Loch, ihre Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe. Die Sehnsucht für jemand anderen unendlich wichtig zu sein. In gelingenden Beziehungen, Freundschaften und Familien füllen wir uns gegenseitig diese ‚Sehnsuchtslöcher‘. Wenn Freundschaften sich aber lösen, Beziehungen zerbrechen oder Familien sich voneinander entfernen, dann ist sie sofort wieder da, diese innere Frage: Wem bin ich wichtig? Wer sieht mich und schenkt mir die Anerkennung, die ich zum Leben brauche?

 

Aus der Sehnsucht kann die Sucht nach Anerkennung werden. Mehr leisten zu müssen, noch bekannter, berühmt zu werden.

 

Vor wenigen Wochen besuchte ich meinen alten Studienfreund und Trauzeugen. Mit seiner Band hatte er damals einen Newcomer Award gewonnen – hatte bei Sony einen „Platten“-Vertrag – war zusammen mit Avril Lavigne und anderen Musik-Promis auf After-Show-Parties. Und dann hat er das damals alles hingeschmissen, weil er gemerkt hat, dass ihn dieses Leben kaputt gemacht hätte. Heute ist er glücklich und hat ein erfülltes Leben. Ich habe ihn damals nicht verstanden, aber jetzt freue ich mich für ihn.

 

Auch die Freunde und Jünger von Jesus kannten diese innere Sehnsucht und die Frage: „Wer ist denn nun der wichtigste unter uns.“ Die Bibel ist da sehr ehrlich: LK 9, 46-48. Die Jünger streiten sich, wer der Größte und Wichtigste von ihnen ist, ein ganz normales menschliches Verhalten. Und Jesus? Er schimpft sie gar nicht aus. Er diskutiert nicht, was wahre Größe ist, wer ein wirklicher V.I.P. ist oder nur ein B-Promi. Jesus stellt ein Kind in ihre Mitte. Jemanden, der unmündig ist, der in der damaligen Gesellschaft nichts ist und nichts zu melden hat. Und dann stellt er eine ungewöhnliche Hierarchie-Kette auf: Wer da ein Kind, also das kleinste und unbedeutendste Teilchen der Gesellschaft, bei sich aufnimmt, sich also seiner annimmt, es wichtig nimmt, der nimmt IHN – JESUS auf und damit zugleich auch, den, der ihn gesandt hat: Gott selbst. Und erst derjenige beweist mit seinem Handeln wahre Größe! Jesus kehrt mal wieder die etablierten Wertmaßstäbe um. Das offensichtlich Kleine und Unbedeutende bekommt plötzlich Bedeutung.

 

Warum? Gehen wir mal von der Annahme aus: Es gibt Gott. Wenn es ihn gibt, dann hat die Welt in ihm seinen Ursprung – wie immer er das auch bewerkstelligt haben mag. Dann könnte man ihm eine gewisse Bedeutung für diese Welt unterstellen. Man könnte vielleicht sogar sagen: Gott ist der V.I.P. Nummer 1, oder? Wer könnte dann wichtiger sein als der Schöpfer und Erhalter dieser Welt?

 

Wenn ich nun in die Bibel schaue und etwas von diesem „V.I.P. Nummer 1“ erfahren möchte, dann lese ich:
– Er wollte diese Welt.

– Er wollte diese Menschen.

– Er wollten jeden einzelnen von uns, dich und mich.

– Er kam in Person seines Sohnes Jesus zu uns, um uns zu zeigen, wie wichtig wir für ihn sind. Ich kenne keine Religionen sonst, bei denen sich die Götter so viel Mühe um ihre Geschöpfe machen! In Jesus können wir das WESEN von diesem „V.I.P. Nummer 1“ sehen und wie er uns sieht. Und wie sieht er uns? Wie sieht Gott die Menschen? Als Mütter ihre Kinder zu Jesus bringen wollten, um sie segnen zu lassen, erschienen sie den Jüngern zu unbedeutend, um zu Jesus vorgelassen zu werden, nicht V.I.P. genug. Jesus aber stellte diese Kinder in den Mittelpunkt. Wie auch andere Außenseiter der Gesellschaft. Kleine, gierige Zöllner wie Zachäus sieht er in der Menge und verändert ihr Leben, indem er sich ihnen zuwendet. Menschen mit Behinderungen, Krankheiten, Ausgestoßene der Gesellschaft integriert er wieder. In Geschichten, Gleichnissen und durch eigenes Beispiel in seinem Leben zeigt er uns, wie wir miteinander umgehen sollen, indem wir den Nächsten wahrnehmen und wertschätzen, den anderen nicht abzocken sollen, nicht uns selbst auf Kosten anderer herausheben sollen.

 

Schaut mal rein ins Neue Testament, dort Lukas 15 – nur ein Kapitel, gar nicht viel: Ein Kapitel mit drei Gleichnissen, und die haben alle nur eine Message: Gott will nicht, dass irgendeiner verloren geht, nicht eine kleine Münze, nicht ein Sohn, auch nicht ein einziges von 100 Schafen.   

> Bei Jesus zählt der Einzelne und das Kleine.

> Bei Gott gibt keine „Non-V.I.P.s“, keine unwichtigen Menschen.

Er hängt nicht am Kreuz und sagt: „Für dich und für dich sterbe ich, du bist V.I.P. ! Aber für dich und dich sterbe ich nicht, du bist mir nicht wichtig.“

 

Gott als der „V.I.P. Nummer 1“ gibt sich in Jesus selber hin, um uns Menschen zu zeigen, wie wichtig wir ihm sind!

Auch DU hast ein Loch in dir! Du brauchst Anerkennung und Wertschätzung. Als Mensch brauchst du die Gewissheit: „Ich bin für jemand anderen wichtig!“, sonst drehst du dich in deinem Leben nur noch um dich selbst. Wenn nur du dir wichtig bist, macht dich dass sehr einsam. Oder du versuchst dieses innere Loch zu stopfen mit allen möglichen anderen Dingen, damit du dich nicht so leer fühlst.

Ja – Menschen geben einander Gutes und können einen Teil dieser Sehnsucht füllen – aber eben nur einen Teil!!!!

Ja – Erfolge, Anerkennung, Ruhm können einen Teil deines Sehnens stillen, nur einen Teil!

Aber letztendlich und ganzheitlich wird es wohl nur der „VIP Nummer 1“ sein, der dich unabhängig von deinen Lebensumständen in seine Arme nimmt und dir sagt: „Du bist mein geliebtes Kind. Von jeher habe ich dich gekannt und gewollt. Du bist mir wichtig. Ich schenke dir ein Leben und eine Welt in der du leben kannst. Und ich schenke dir einen Sinn in deinem Leben: Du darfst mit mir, dem Schöpfer, zusammen diese Welt gestalten und kannst Menschen aus der Leere in die Fülle führen.

Wie ihr hier, auf dem Stück Papier, mit dem ich jetzt das vorhin ausgeschnittene Loch auf dem Plakat fülle, seht: GOTT kann diese ‚Lebens-Lücke‘ füllen!

> Für wen bist du V.I.P.? Eine sehr wichtige Person?

> Wer ist für dich ein V.I.P.?

> Und: Was macht dich zu einem V.I.P.?

Wir Christen sind der Überzeugung, dass Gott in dir jemanden ganz besonderen sieht. Die Bibel sagt mir, dass ich als Person (nicht als Amt oder als Künstler) wichtig bin. Von dieser Erfahrung und Erkenntnis erzählt auch das nächste Lied: „Who am I…“ Wer bin ich – dass der Schöpfer dieser Welt mich beim Namen kennt und meine Schmerzen sieht?

Amen

OBEN
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