Predigt C.m.C. 18.7.2015

von / Mittwoch, 22 Juli 2015 / Veröffentlicht inPredigt

Predigt CmC 18.7.2015 und 22.7.2015

Film: Ziemlich beste Freunde

Ist das wirklich so, wie in den Songs und im Film-Trailer angesprochen? Ist es in jedem Fall ein Privileg „zu sein“, ein Privileg, leben zu dürfen? Es gibt Menschen, die empfinden das nicht so. Mütter, die ihre Kinder vor Hunger krepieren sehen; Kinder, die sehen, dass ihre Eltern lieblos mit ihnen und mit einander umgehen. Schüler, die schlechte Zeugnisse bekommen, weil ihnen die Lehrer nicht richtig zuhören wollen. Lehrer, deren Seele kaputt geht, weil die Schüler ihnen nicht mit dem angemessenen Respekt begegnen. Ist es nur ein Privileg ‚zu sein‘ – wenn man reich, gesund und jung ist? Der Film „Ziemlich beste Freunde“ beschreibt zwei sehr unterschiedliche Menschen. Lass mich euch das hier auf der Chart zeigen: hier ein Mensch, da ein Mensch. Von außen betrachtet zwei sehr unterschiedliche Menschen; behindert der eine, gesund der andere; alt der eine, jung der andere; reich der eine, arbeitslos der andere; privilegiert und gebildet der eine, schwarz, Ausländer, ohne Schulbildung der andere. Was haben die beiden gemeinsam? Und wer von beiden würde von sich sagen: „Es ist ein Privileg ‚zu sein‘, zu leben!“? Oberflächlich betrachtet würde das wahrscheinlich wohl keiner vom anderen sagen – und von sich selbst auch nicht gerade. Und dann entwickelt sich diese ungleiche Freundschaft. Der eine bringt dem anderen ‚Kunst‘ nahe; der andere erweitert dem einen dessen musikalischen Horizont. Der eine hilft dem anderen, sich in die Gesellschaft besser einzugliedern; und der andere schenkt, ja überträgt dem einen etwas von seiner Lebensfreude. Dadurch, dass beide sich die Chance geben, sich besser kennenzulernen, dringen sie durch die Oberfläche des anderen hindurch, schauen sie hinter das Offensichtliche des anderen, sehen sie tiefer, sehen sie mehr im anderen als zuvor, fordern sie sich gegenseitig heraus, z.B. im Malen, in der Musik, beim Fallschirmspringen, und verändern den anderen, lassen sich selbst verändern …

 

Wie schnell passiert es uns doch, dass wir andere nur nach ihrem Äußeren beurteilen. Wie oft wird so die oberflächliche Betrachtung eines anderen zum Maßstab, zu unserer festen Meinung, ohne dass wir ihn / sie wirklich kennengelernt haben. Wir haben das eben in der der kurzen Szene des Drama-Teams gesehen. Da haben sich welche viel zu schnell und nur oberflächlich ein Bild gemacht und sind bei diesem ersten Eindruck, beim Äußerlichen, stehen geblieben. Und haben folglich falsch, ungerecht gehandelt. Nur einer hat genauer hingeschaut, nachgefragt, ‚kennen gelernt‘, und wurde positiv überrascht! Wie viele Menschen hast du schon in Schubladen abgelegt, ohne ihnen eine Chance zu geben, dir zu zeigen, wer sie wirklich sind? Dazu eine Story aus meinem Leben in Stichworten:

Studienbeginn in Tübingen, Unterkunft im Wohnheim, keine Einzelzimmer verfügbar, also Doppelzimmer; heißt: gemeinsames Leben auf 16 Quadratmeter planen; und das mit meinem ganzen ‚lebenswichtigen‘ Gerümpel: Musikanlage, Computer, Bett, Schrank, CDs; dann ein erstes Telefonat mit meinem künftigen Mitbewohner; erster Eindruck: „Papp-Nase“!

Umzugstag: Abends angekommen, 22:00 Uhr; ich klopfe; „Ja – Herein!“ Die Papp-Nase schon liegt im Bett. Bettdecke bis an die NaseL „Guten Abend!“ Schuhe penibel vor dem Bett aufgestellt und rechtwinklig ausgerichtet; nur vier Bücher im Regal, kein Poster, nix L;

extrem unterschiedlicher Kleidungsstil, Musik-Geschmack, Tages-, Schlaf- und Arbeitsrhythmus. Ich frage mich echt: „GOTT ???? WARUM ???“

Lasst mich euch an der Flip-Chart etwas erläutern wie es weiterging, denn es passierte was richtig Spannendes: Wir entdeckten uns, entdeckten neben Trennendem auch Gemeinsamkeit: unser gemeinsames Christ-Sein, trotz der unterschiedlichen Form, das zu leben – aber eben doch der gleiche ‚Heart-Beat‘!

Und Gott hat uns dann gegenseitig den Anderen durch seine Augen gezeigt und wahrnehmen lassen!

Und so wurden wir „Brüder“, weil wir den gleichen himmlischen Papa haben. Und weil Gott uns gezeigt hat, dass der Andere auch in seiner totalen Andersartigkeit ein wunderbarer Mensch ist! Nach ½ Jahr wurden wieder Einzelzimmer frei; wir sind dennoch freiwillig zusammen geblieben, noch fast ein weiteres halbes Jahr! Seit dieser Zeit, das ist inzwischen über 20 Jahre her, telefonieren wir immer noch ein bis zwei Mal im Jahr miteinander, nehmen aufrecht und ernsthaft Anteil an unserem jeweiligen Lebensweg. Und so etwas erlebe ich immer wieder – wenn ich dafür bereit bin, und nicht sofort Menschen in eine Schublade stecke! Das gilt auch für Gott, auch der gehört nicht in eine vorgefertigte Schublade, wie manche das so schnell tun. Oftmals ist das dann die falsche. Denn Gott passt in keine Schublade!
Aber bleiben wir noch ein bisschen bei den Menschen. Die Bibel erzählt von ganz vielen Menschen, die in die gleiche Fall tappen, wie ich damals mit meinem Wohnkumpel Christian. Ich will euch von zwei solchen Fällen erzählen, die gravierende Folgen für die Welt gehabt hätten, bis heute, wenn die beteiligten Menschen damals nicht begriffen hätten, dass Gott einen anderen Blickwinkel hat als die beteiligten Menschen.

  1. Israel brauchte mal wieder einen neuen König. Die Sache mit Saul lief langsam aus dem Ruder. Der Kerl verbockte es immer mehr. Ein ganzes Land lief in Richtung Ruin. Samuel sollte nun den neuen König finden und salben (berufen). Er bekommt von Gott den Auftrag, bei den Söhnen des Isai den neuen König zu finden. Er also hin, der erste Sohn kommt: wow. Gutaussehend, groß und stark – Samuel denkt: ‚Der isses!‘, aber Gott sagt: „Sieh‘ nicht nur auf seine Größe und sein Aussehen! Der isses nicht!“

DER MENSCH SIEHT, WAS VOR AUGEN IST, DER HERR ABER SIEHT DAS HERZ AN – also irgendwie mit ‚Röntgenblick‘ eine Etage tiefer, und schon ist der Schöne und Große aus dem Rennen. Der zweite Sohn komm, ist es aber auch nicht, der dritte: nix, fünf, sechs, sieben – immer dasselbe: Keiner isses! Ist da noch einer? Ja, der jüngste, auch der sah gut aus, ist aber eher klein und hütet nur die Schafe. Ok, hole ihn trotzdem! Und der war es dann, denn der sah nicht einfach nur gut aus, sondern hatte auch noch tiefere Qualitäten, die, auf die es Gott ankam! Und so wurde der jüngste Sohn König. Kennt ihr ihn? Genau – König David. Der hat Israel dann damals zu einem starken Staat ausgebaut, und jetzt noch, über 3.000 Jahre später, werden seine Lieder weltweit gesungen, seine Gebete gesprochen (die Psalmen der Bibel!). Leider gibt es immer noch Streit, Hass und Krieg um das Land, das David damals regiert hat. Aber es existiert heute noch! Welcher Weltherrscher kann das schon von sich sagen?! Große Herrscher wie Cäsar und Nero kennen wir heute noch aus den Geschichtsbüchern, weil manche Menschen ihre Hunde nach ihnen benennen. Aber der König David hat Welt-Geschichte geschrieben. Und das, weil Samuel nicht den erstbesten (den großen und starken) ausgewählt hat, sondern sich von Gott hat leiten und zeigen lassen, wer wirklich das Zeug dazu für den Job hatte!

 

  1. Auch Jesus hatte auch so eine besondere Sicht auf Menschen. Er hat kleine, fiese Außenseiter in großzügige, freundliche Menschen verwandelt, indem er ihnen eine Chance gegeben hat, die die Menschen ihrer Umgebung ihnen nicht gegeben hatten. Jesus hat ganz normale, einfache Menschen aus ihrem Lebenszusammenhang herausgenommen und ihnen große Aufträge gegeben. Er hat ihnen etwas zugetraut. Die 12 Jünger waren keine ‚Oxford-Absolventen‘ der damaligen Zeit. Der Paulus später schon, aber die ersten 12 waren ‚einfache Jungs von der Straße‘. Gerade Petrus: einer, der immer seine Klappe viel zu schnell aufgerissen hat und dann seine Versprechen oft nicht einhalten konnte, da er den Mund zu voll genommen hatte. Und dennoch sagt Jesus gerade zu diesem Mann: ‚Du sollst nun Petrus heißen, der Fels, auf den ich meine Kirche bauen werde.

 

Ich möchte euch mit meiner Geschichte vorhin und den beiden Stories aus der Bibel ermutigen, für euch selbst und die Menschen um euch herum die ‚Perspektive Gottes‘ auf das Leben zuzulassen! Traut euch, euer Schubladen-Denken zu hinterfragen! Ich wünsche mir von euch, dass ihr heute aus dem Gottesdienst hier rausgeht und mitnehmt, dass GOTT MEHR – TIEFER – WEITER sieht, als wir das oft tun! Und das wir diese Perspektive Gottes aber kennen lernen dürfen, dann, wenn wir mit ihm unterwegs sind.

 

> Gott sieht vermutlich MEHR in dir, als du selbst es ahnst oder als das, was andere dir nur zusprechen. Vielleicht sagen deine Lehrer oder dein Zeugnis nächste Woche scheinbar zu dir: ‚Du bist dumm‘. Oder andere Menschen sagen zu dir: „Das kannst du nicht!“ oder „Was kannst du überhaupt?!“. Das war genau die Botschaft, die ich sehr oft an meiner alten Schule früher für mich gehört habe. Es war ein Gymnasium der sogenannten „Oberen 10.000“, der Schüler mit Eltern, die waren reich, waren Doktoren, Anwälte, Ärzte. Meine Familie war nicht reich und angesehen, als ich Jugendlicher war, und meine Eltern hatten beide nicht studiert. Aber in meinem christlichen Verein, in meiner Jugendgruppe haben die Leiter dort mir was zugetraut, mich ermutigt, mir Verantwortung übertragen, mich gestärkt und gefördert. Da habe ich mich als ganz anderer Mensch gefühlt als in meiner Schule! Daran konnte ich wachsen! Weil diese Christen MEHR in mir gesehen haben, mehr als nur meine Schul-Noten den Sozial-Status meiner Eltern. Und das hat Gott für mich spürbar auch.

 

> Ich wünsche, dass Du heute nach Hause gehst und weißt, dass Gott TIEFER in dich und dein Leben hineinschaut, als andere es können, auch tiefer, als die Grenzen, die du dir vielleicht selbst ziehst oder in denen du meinst festzustecken. Ja, im Film (wie übrigens auch im wahren Leben immer wieder) ist der eine tatsächlich behindert und der andere ein mittelloser Ausländer. Das sind Tatsachen, die da sind und oft auch bleiben. Aber dass Oberflächliche, das zunächst nur Offensichtliche muss nicht das sein, was ein Urteil über dich spricht. Diese Tatsachen müssen nicht das letzte Wort in deinem Leben bleiben.

Ihr wisst: Der Film ist nach einer wahren Begebenheit gedreht worden. Im Film wie im Leben haben diese beiden ziemlich besten Freunde sich gegenüber ganz neue, viel tiefere Dimensionen ihres Lebens freigelegt. Und das geht auch bei dir und gilt auch für dich! Ganz besonders dann, wenn du Gott auf dein Leben schauen lässt oder durch Gottes Augen dich und andere Menschen ansiehst. Ich liebe es, wenn z.B. offensichtlich schüchterne Menschen, aus ihrer Hülle herauszutreten lernen, wenn man sich näher kennenlernt und die eigentliche Tiefendimension dieser Menschen deutlich wird. Manch graue Maus wird nicht nur im Film vom ‚Aschenputtel‘ zur ‚Prinzessin‘, sondern auch im realen Leben! Ich habe das schon oft beobachten können. Wie ist das bei dir? Wie siehst du dich? ‚Graue Maus‘ oder ‚Leiser Tiger‘, der sich nur in Ruhe anschleicht, an sein Leben und seine Bestimmung?

 

> Und dann erhoffe ich mir noch, dass ihr hier rausgeht mit dem Wissen, dass Gott auch WEITER sieht als wir selbst oder andere Menschen. Weiter in eine Zukunft, in der er für jeden Menschen eine Berufung, eine Aufgabe und einen Platz hat! Wenn aus kleinen Schafhirten Könige werden können, aus Fischern Kirchengründer, dann sehe ich auch bei youcom junge Menschen, von denen ich mir vorstellen kann, dass sie Präsidenten werden könnten, oder solide Handwerker, oder fähige Arbeiter, oder wertschätzende Lehrer, liebende Väter oder Mütter!

 

Gott hat eine besondere Perspektive. Er sieht mehr, sieht weiter, sieht tiefer. Als Christen dürfen wir daran teilhaben. Das kann unser ‚Schubladen-Denken‘ sprengen. Wir werden Freundschaften schließen, von denen wir nie gedacht hätten, dass wir uns darauf einlassen würden. Und wir werden dadurch nicht nur andere Menschen, sondern auch unser eigenes Leben anders sehen lernen. Das wünsche ich euch:
– den ‚Mehr-Blick‘!

– den ‚Tiefer-Blick‘!

– den ‚Weiter-Blick!‘
Amen.

OBEN
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