PREDIGT Teil II WonWay Ostersamstag 31.03.2018

von / Mittwoch, 18 April 2018 / Veröffentlicht inPredigt

Mt 27, 31-54:/ Joh 3,16

He’s our rescuer- We are free from sin forever more

Einstieg über das Lied.

So sehr hat Gott diese Welt geliebt, dass er seinen eigenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Joh ,316

Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von oben bis unten.“ Mt 27,51

Das ist das erste, was bei Matthäus direkt nach Jesu Tod überliefert ist.

Dass ein Vorhang entzwei ging.

In den Verfilmungen dieser letzten Tage Jesu ist der Spot auf ihn gerichtet.

ER steht im Zentrum des Geschehens.

Dann schreit er ein letztes Mal laut auf und stirbt.

Das nächste, wovon Matthäus berichtet, ist dieser Vorhang, der im Tempel zerreißt.

Das muss eine unwahrscheinliche Bedeutung gehabt haben, daß Matthäus es als allererstes erzählt.

Bei Markus ist es übrigens genauso, und auch bei Lukas.

Der Tod Jesu und das Zerreißen dieses Vorhanges– von oben bis unten – scheinen in einem Zusammenhang zu stehen.

Unser Blick wird hier also weg von Jesus am Kreuz – auf den Tempel gelenkt.

Warum?

Was wissen wir über den Tempel in Jerusalem?

  • Er hat für das Volk Israel eine zentrale Bedeutung.

Der Vorläufer zum Tempel war die Stiftshütte, in der zur Zeit der Wanderschaft die Bundeslade aufbewahrt wurde.

Die Bundeslade war das Zeichen der Gegenwart Gottes.

Nein, mehr noch, sie waren Garant der Gegenwart Gottes.

Kampf gegen die Philister, als die Israeliten die Lade in ihr Heerlager holten. Als das die Philister hörten fürchteten sie sich und sagten: Gott ist ins Lager gekommen.

Als sich das Volk dann niedergelassen hatte, wollte David seinem Gott auch ein Haus bauen.

Und sie bauten den Tempel.

In 1. Chronik wird berichtet, wie die Herrlichkeit Gottes dann wie eine Wolke in den Tempel einzog.

Der Tempel war für die Juden über viele Jahrhunderte der Ort der Gegenwart Gottes.

Sie wußten: dort können wir hingehen, und Gott ganz nahe sein.

Der Tempel wurde für Israel zum Zentrum des Denkens und Lebens.

Er stiftete Zugehörigkeit zu Gott.

Der Tempel war der Ort, an dem Vergebung erfahren wurde.

Das Schicksal des Einzelnen wie des Volkes hing mit dem Tempel, mit Gott als Bewohner des Tempels zusammen.

Der Aufbau des Tempels spiegelt einiges davon wieder:

Da gab es die Vorhöfe, in denen man sich treffen und versammeln konnte.

Die Altäre im Vorhof und im Heiligtum, auf denen geopfert wurde.

Und dann schließlich – ganz im Zentrum, im Herzen des Tempels – das Allerheiligste.

Hier wurde die Bundeslade aufbewahrt und nur der Hohepriester durfte einmal im Jahr hier hinein.

Am JOM KIPPUR, dem Tag der Versöhnung.

Wenn die gesamte Schuld des Volkes auf ein Lamm gelegt wurde.

Und dieses Allerheiligste – dieser Ort Gottes –

Wurde durch einen Vorhang abgetrennt.

Der Hohepriester hat sich lange und sorgfältig darauf vorbereitet, wenn er einmal im Jahr ins Allerheiligste ging, um dort zu opfern und Gott um die Vergebung der Schuld des Volkes zu bitten.

Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von oben bis unten.“ Mt 27, 51

Kommen wir zurück zu dem Moment des Todes Jesu und hören, dass der Vorhang im Tempel, der Vorhang, der das Allerheiligste abtrennte, von oben bis unten zerriss.

Dieses Bild hat sich vor einigen Jahren tief in mir eingeprägt.

Es ist für mich ein Schlüssel geworden, um zu verstehen, was am Karfreitag passiert ist.

Jesus, der Sohn Gottes stirbt unschuldig am Kreuz.

Er – Jesus – ist das Lamm, dass die Sünde der Welt trägt.

Er –Jesus , der Christus, der göttlicher Gestalt war, nahm Knechtsgestalt an, erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz, wie es im Philipper Brief heißt.

Und als Jesus – der Gerechte – stirbt, zerreißt im Tempel der Vorhang.

Was bedeutet das? Es bedeutet: Der Weg ist frei.

Der Weg zu Gott, der Weg zum Vater ist frei.

Der Weg ist für uns frei.

Gott selbst hat das einmalige und ewig gültige Opfer gebracht, das uns wieder in eine heile Beziehung zu ihm setzt.

Der Weg ist frei für uns.

Wir brauchen keine Priester, keine Heiligen, die für uns bei Gott eintreten. Wir können selbst zu ihm kommen.

Der Weg ist frei – für alle Menschen.

Das Lamm Gottes trägt die Schuld der Welt – aller Welt. Und jeder, der sich unter diese Wirkung des Kreuzes stellt. Kann vor den Vater treten.

Die Spötter unterm Kreuz haben gerufen:

Der du den Tempel abbrichst und baust in auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz.“

Er wollte sich nicht selber helfen. Er wollte Ihnen helfen.

  • So sehr hat Gott diese Welt geliebt, dass er seinen eigenen Sohn gab, damit alle die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Jesus hat tatsächlich den Tempel abgebrochen.

Die Funktion des Tempels als alleinigem Ort der Gegenwart Gottes ist ad acta gelegt.

Der Tempel als Ort des Opfers, der Wiedergutmachung ist Vergangenheit.

Am Kreuz hat Jesus den Weg zu Gott für uns freigemacht.

Der Vorhang vor dem Allerheiligsten ist zerrissen, weil Gott will, dass alle Menschen direkt zu ihm kommen können. Seine Gegenwart ist nicht an einen Ort gebunden und auch nicht an kultische Handlungen.

Stellt euch das vor eurem inneren Auge vor, wie der schwarze Vorhang in der Mitte sich öffnet, auseinandergeht und das angestrahlte Kreuz zum Vorschein kommt.

Der Blick ist frei, der Weg ist frei.

Was verstellt DIR den Blick auf Gott?

Welchen Vorhang hast du, der den Weg zu Gott versperrt?

  • der Vorhang der Schuld?

Schwer lastet er auf dem Lebensweg.

Unvergebene Schuld ist kaum zu vergessen oder zu verdrängen. Immer wieder macht sie sich bemerkbar und bahnt sich ihren Weg in Gedanken und Handeln.

Wir haben das Abendmahl gefeiert.

Wenn wir Brot und Wein zu uns nehmen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass uns alte Schuld nicht den Weg zu Gott versperren muss!

  • Der Vorhang der Distanz?

Ein Schutzwall, eine Distanzwand, die ich um mich aufgebaut habe.

Über Gott zu reden, mag noch OK. sein. Aber sich mit Haut und Haar, mit seinen Entscheidungen und seinem Leben auf IHN einzulassen, dass erscheint dem einen, oder der anderen dann vielleicht doch zu viel.

Und so wird Gott zu einem intellektuellen oder sozialen Hobby.

  • Der Vorhang der Gleichgültigkeit?

gegen Gott und andere.

Gleichgültigkeit macht alles gleich. Nichts ist mehr besonders. Nichts regt zur Freude oder Ärger. Gleichgültigkeit kann zu einer Vorstufe des Todes werden.

  • Der Vorhang falscher Gottesbilder?

Sie können sich wie dunkle Vorhänge um und über die Seele und das Herz legen und jeden erfrischenden und lebendigen Kontakt zu Gott ersticken.

  • Der Vorhang der AngstAngst vor Veränderung. Das nicht alles so bleibt, wie man´s kennt und sich damit arrangiert hat. Ein Gott, der überschaubar ist und bleibt, der keine Überraschungen ins wohlgeordnete Leben bringt. Man hat sich ja so schön eingestellt. Wer weiß was passiert, wenn Gott da zuviel reinredet.

Und siehe, der Vorhang zerriß in zwei Stücke von oben bis unten.“

Welcher Vorhang trennt dich vom Allerheiligsten? Was trennt dich von dem Gott, der in seiner Liebe dir sich selbst gegeben hat?

Als Jesus am Kreuz starb – zerriß der Vorhang.

Schau auf das Kreuz. ….

Einige Minuten.

Amen.

Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss

in zwei Stücke von oben bis unten.“ Mt 27, 51

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