Predigt WonWay 18.10.2014

von / Freitag, 24 Oktober 2014 / Veröffentlicht inPredigt

Die Früchte des Heiligen Geistes

 

Ich möchte noch einmal daran erinnern: Wir nähern uns im Rahmen der Predigtreihe dem Heiligen Geist aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Bibelstellen als einer von drei Personen Gottes (Trinität), wie Gott sich uns Menschen zeigt. Wir haben bisher schon festgestellt: Der Heilige Geist ist real. Der Heilige Geist ist Gott. Wir glauben an Gott, den Vater, Gott, den Sohn UND Gott, den Heiligen Geist.

Wir haben bereits einiges über den Heiligen Geist gehört:

– Sehen kann man ihn nicht  – aber spüren, vor allem seine Wirkung.

– Er ist die Kraft der Veränderung, die von Gott ausgeht (Transformer).

– Der Heilige Geist erneuert uns innerlich.

– Und es gibt verschiedene Früchte des Heiligen Geistes. Wir haben schon gehört von Liebe, Freude, Friede, Geduld (Langmut), Freundlichkeit, Güte, Treue,  Bescheidenheit (Sanftmut), Selbstbeherrschung (Keuschheit).

Dazu möchte ich Dir, jedem von euch, auffordern, ein paar Fragen zu stellen: 

> Wie lebst du?

> Was bestimmt dein Leben?

> Was kommt aus Dir – und was kommt aus Gott?

Das ist auch DIE entscheidende Frage für heute Abend:
WIE LEBST DU?!
WER ODER WAS BESTIMMT DEIN LEBEN?

 

„LEBEN IN LIEBE AUS DER KRAFT DES HEILIGEN GEISTES

13 Gott hat euch zur Freiheit berufen, meine Brüder und Schwestern! Aber missbraucht eure Freiheit nicht als Freibrief zur Befriedigung eurer selbstsüchtigen Wünsche, sondern dient einander in Liebe.

14 Das ganze Gesetz ist erfüllt, wenn dieses eine Gebot befolgt wird: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“

15 Wenn ihr einander wie wilde Tiere kratzt und beißt, dann passt nur auf, dass ihr euch nicht gegenseitig verschlingt!

16 Ich will damit sagen: Lebt aus der Kraft, die der Geist Gottes gibt; dann müsst ihr nicht euren selbstsüchtigen Wünschen folgen.

17 Die menschliche Selbstsucht kämpft gegen den Geist Gottes und der Geist Gottes gegen die menschliche Selbstsucht: Die beiden liegen im Streit miteinander, sodass ihr von euch aus das Gute nicht tun könnt, das ihr doch eigentlich wollt.

18 Wenn ihr euch aber vom Geist Gottes führen lasst, dann steht ihr nicht mehr unter dem Gesetz, das euch diesem Widerspruch ausliefert.7

19 Was die menschliche Selbstsucht hervorbringt, ist offenkundig, nämlich: Unzucht, Verdorbenheit und Ausschweifung,

20 Götzenanbetung und magische Praktiken, Feindschaft, Streit und Rivalität, Wutausbrüche, Intrigen, Uneinigkeit und Spaltungen,

21 Neid, Trunk- und Fresssucht und noch vieles dergleichen. Ich warne euch, wie ich es schon früher getan habe: Menschen, die solche Dinge tun, werden nicht erben, was Gott versprochen hat; für sie ist kein Platz in Gottes neuer Welt.

22 Der Geist Gottes dagegen lässt als Frucht eine Fülle von Gutem wachsen, nämlich: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue,

23 Bescheidenheit und Selbstbeherrschung. Gegen all dies hat das Gesetz nichts einzuwenden.

24 Menschen, die zu Jesus Christus gehören, haben ja doch ihre selbstsüchtige Natur9 mit allen Leidenschaften und Begierden ans Kreuz genagelt.

25 Wenn wir nun durch Gottes Geist ein neues Leben haben, dann wollen wir aus diesem Geist unser Leben führen.“ Aus: Die Bibel / Neues Testament / Paulus Brief an die Galater 5, 13-25 (Gute Nachricht)

Wenn wir einmal ehrlich mit uns selber sind, dann wissen wir, dass der Bibeltext Recht hat: Das ein oder andere (oder doch auch alles) finden wir auch in unserem Leben oder in unserem Herzen wieder (ihr seht da hier vorne auf den verschiedenen Plakaten!):

Unzucht – Verdorbenheit AusschweifungGötzenanbetung – magische Praktiken – Feindschaft – Streit – Rivalität – Zorn – Zank – Intrigen – Spaltungen – Neid – Saufen – Fressen  …
Nein – ich werde euch jetzt nicht fragen, wer sich worin wiederfindet, aber dass vieles davon auf unsere geheimen Wünsche zutrifft, nehme ich jetzt einfach mal an. Das galt für die Menschen zur Zeit des Paulus nicht anders und hat sich bis heute nicht geändert! Es ist Teil unseres Mensch-Seins.

Der Text stellt dann diesen selbstsüchtigen Wünschen, die unser Handeln bestimmen, die Früchte des Heiligen Geistes gegenüber (das wollen wir jetzt hier vorne mit den größeren Plakaten auch tun!):

LIEBE – FREUDE – FRIEDEN – GEDULD – FREUNDLICHKEIT – GÜTE  – TREUE – BESCHEIDENHEIT – SELBSTBEHERRSCHUNG.

Das klingt für mich zunächst nach einem ziemlich krassen Schwarz-Weiß-Bild von uns Menschen.

Ist das so? Alle Menschen sind erstmal so schlecht? Und nur die Christen mit dem Heiligen Geist sind Heilige? Ist das realistisch? Ist das wirklich so schematisch? Mein Leben ist auf jeden Fall komplizierter.

Ich bin seit vielen Jahren Christ. Aber ich erlebe mit nicht nur als „Heiligen“ bzw. als jemanden, bei dem die Frucht des Heiligen Geistes all diese tollen Dinge hervorbringt.

Mein Leben ist eher so wie auf dieser Folie: Da streitet sich beides in mir, ‚Gut und ‚Böse‘. Da sind diese ganz einfachen, selbstsüchtigen Wünsche in mir. Aber ich habe ja auch gute Seiten in mir. Ich kann freundlich sein! Ich bin sogar manchmal geduldiger als andere Menschen, oder  auch gütiger. Da kann ich sogar fragen: Wozu brauche ich da dann noch den Heiligen Geist? Warum macht Paulus da so eine Riesenwelle draus? Die guten wie die schlechten Eigenschaften finde ich doch beide in mir wieder. Dafür brauche ich keinen Heiligen Geist – keinen Gott in meinem Leben. Es gibt die liebevollsten und nettesten Menschen – DIE KEINE CHRISTEN SIND! Es gibt Christen, die die selbstsüchtigsten Egoisten sind. Laster oder gute Eigenschaften – wir als Menschen haben beides in uns! Und das kämpft in uns. Also muss da noch mehr sein. Ich schaue noch einmal genauer in den Text rein: Paulus leitet diese Gegenüberstellung der Eigenschaften so ein:
„13 Gott hat euch zur Freiheit berufen, meine Brüder und Schwestern! … “ Da wird also erst einmal gesagt: Du sollst FREI sein! „ … Aber missbraucht eure Freiheit nicht als Freibrief zur Befriedigung eurer selbstsüchtigen Wünsche, sondern dient einander in Liebe.“ Hier ermahnt Paulus, diese Freiheit richtig einzusetzen, und zwar unter dem Vorzeichen der Liebe. Und dann sagt er ja weiter: „16 Ich will damit sagen: Lebt aus der Kraft, die der Geist Gottes gibt; dann müsst ihr nicht euren selbstsüchtigen Wünschen folgen.“ Ein guter Ratschlag! Denn: „17 Die menschliche Selbstsucht kämpft gegen den Geist Gottes und der Geist Gottes gegen die menschliche Selbstsucht: Die beiden liegen im Streit miteinander, sodass ihr von euch aus das Gute nicht tun könnt, das ihr doch eigentlich wollt.“ O.k. –  darin finde ich mich gut wieder! Das beschreibt Paulus für mich sehr lebensnah: Manchmal will ich das Gute tun und schaffe es dann doch nicht. Und es ist kein Zufall, dass das Motiv „Engelchen kämpft mit dem Teufelchen auf meiner Schulter“ (und jeder versucht mich auf seine Seite zu ziehen) im Film und in der Werbung so oft verwendet wird. (Isi und Rudi machen euch das hier gerade mal praktisch vor). Aber es geht hier nicht im Engelchen und Teufelchen. Es geht um einen tiefen Kampf, den die Menschen eigentlich schon immer in sich tragen (die Bibel erzählt davon schon auf den ersten Seiten): Will ich Gott sein oder will ich annehmen, dass ich sein Geschöpf bin und das Gott Gott ist. Was war das Problem von Adam und Eva? Sie wollten alles haben und alles selber entscheiden. Sie konnten nicht vertrauensvoll annehmen, dass Gott für sie nur das Beste will. Alle Früchte von allen Bäumen durften sie haben – nur die eine Frucht nicht. Wir haben diese Frage nach der Sünde letzte Woche beim Konfi-Treffen gehabt – die Frage nach dem, was nicht gut für uns ist, was uns von Gott trennt. Da war ein Raum voller Stühle. Ich habe dann die Konfi´s gefragt: wenn du auf allen Stühlen sitzen dürftest – außer auf diesem einen da vorne – wo willst du gerne sitzen?

Und sofort sagten alle: Unbedingt auf DEM EINEN! Sie fragten nicht: Warum dieser eine nicht? Es hätte ja sein können, dass der kaputt ist und man damit sofort umfällt. Nein! Es war sofort der Wunsch da, genau auf diesem einen Stuhl sitzen zu wollen! Und genau das ist ein Kampf in uns. Wir sind leider manchmal so, dass wir das Gute wollen – aber es dann doch nicht hinbekommen. Wenn ich euch fragen würde: welcher Mensch ist glücklicher? Der sich von seinen selbstsüchtigen Wünschen antreiben lässt – oder der diese Frucht des Heiligen Geistes in seinem Leben erlebt, würde wahrscheinlich von euch (und jeder Mensch bei klarem Verstand) auf den richtigen zeigen. Denn wie zufrieden kann mich ein solches Leben voller Selbstsucht denn auf Dauer machen? Also: Wozu brauchen wir Gott, den Heiligen Geist in unserem Leben, unterstellt, ich hätte Recht mit der Behauptung, dass wir beides in uns tragen. Erinnert euch was Paulus schreibt: Es tobt ein Kampf in uns zwischen Gut und Böse, zwischen den selbstzerstörerischen Kräften in uns und  dem Heiligen Geist. WENN  wir denn Christen sind und den Heiligen Geist in unserer Leben eingelassen haben. Das heißt, bei uns Christen hat sich eine weitere kraftvolle Partei in unsere inneren Kämpfe eingemischt.

Nochmal die Frage vom Anfang: Wie lebst du? Was bestimmt dein Leben? WIE KÄMPFST DU DEN KAMPF????

Ihr wisst… ich fahre ganz gerne Fahrrad. Eines Tages kam meine etwa 50jährige Nachbarin mit ihrem Mountainbike die Bergstraße raufgefahren – ihr wisst, wie steil das da hoch geht! Und ich dachte, ich spinne wohl: Wie kann die den steilen Berg hoch so schnell sein? Dann lächelt sie mich an und fährt ganz entspannt in ihre Einfahrt rein. Ich kann es immer noch nicht glauben. Das ganze passiert mir nach ein paar Tagen wieder: Ich komme immer schweißüberströmt und fix und fertig an, sie locker, lächelnd und nicht mal ansatzweise schwer atmend, und das, obwohl sie noch etwas älter ist als ich … Ich weiß nicht mehr, wann ich dann den Mut hatte rüberzugehen, um sie mal drauf anzusprechen und zu schauen, ob das alles mit rechten Dingen zugeht. Na ja, die Lösung war (Mountainbike aufdecken): Sie hatte ein E-Mountainbike. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas auch für Mountain-Bikes gibt! Na, da war ich schon erleichter. Ich dachte schon, ich wäre ein unsportlicher Urgroßvater. Aber nein – meine Nachbarin lässt sich den Berg hoch helfen. Die macht das nicht einfach alles alleine. Sie nutzt ihre eigene Kraft, lässt sie aber verstärken und kommt damit viel leichter und besser und schneller den Hügel hoch als ich – der ich es aus meiner eigenen Kraft ganz allein versuche, auch schaffe, aber dann schwitzend und keuchend bei mir ankomme. Ja – ich schaffe es schon alleine! Iist auch eine tolle Bestätigung, gut für mein Ego. Und wenn ich regelmäßig da rauffahre, dann klappt es auch immer besser. Aber ich würde trotz allem Training nie so mühelos, entspannt und schnell die Bergstraße raufkommen, wie meine ältere Nachbarin das so locker tut.

Zurück zu Paulus: Ich werde hier in dieser Welt nicht aus dem Kampf herauskommen, der in mir tobt. Und du auch nicht. Aber die spannende Frage bleibt: Willst du diesen Kampf alleine kämpfen??? Wenn ich selber dem Heiligen Geist, wenn ich selber Gott Raum in meinem Leben gebe, dann setze ich mich quas auf mein „E-Bike“. Ich muss und darf weiter selber strampeln. Auch das E-Bike fährt nicht ganz von alleine.

Aber meine Kraft wird unterstützt. Der Geist Gottes unterstützt mich spürbar. Er hilft mir bei meinen Anstrengungen und bei meinen Kämpfen.

Christian hat neulich in seinem Teil der Predigt über den Heiligen Geist gesagt: Der Heilige Geist ist unser TRANSFORMER – unser Veränderer und Verwandler. Christian hat damals schon Galater 5 zitiert und dann gesagt: „Wow! Ganz schön lang die Palette an Charaktereigenschaften! Und nun steht da, dass Gott uns diese alle schenkt. Er schenkt sie uns nicht einfach so mit einem Fingerschnipsen und, schwups, ist alles da. Schön wär das. Aber er hat sich anders entschieden. Er nimmt sich Zeit dafür. Er lässt es wachsen, reifen wie Obst. Es sind nicht unsere Anstrengungen, das die Charaktereigenschaften erzeugt.

Es ist Gottes Geist! Ja, die Frucht des Geistes! Das Ergebnis davon, dass der Geist in Dir wohnt.“
> Denn wo Gott ist, da ist Liebe, denn er ist die Liebe.
> Denn wo Gott ist, da ist Freude, denn er ist die Freude.
> Denn wo Gott ist, da ist Frieden, denn er ist der Frieden.
Diese Charaktereigenschaften schenkt er uns für den Alltag, für unsere Umgebung.
– Um Menschen zu lieben.
– Um Menschen zu helfen.
– Um verlorene Menschen wieder zu Gott zu bringen.
So verändert sich unser Leben nach und nach zum positiven: Früchte wachsen allmählich. Es wächst nicht schneller, wenn man am Baum an ihnen zieht, sondern wenn wir in Geduld und Gebet und immer wieder neuem Einlassen auf Gott, langsam reifen. Manches werden wir auch nur durch Scheitern und Neuanfangen lernen. Lebensveränderung dieser Qualität ist ein Prozess, der unser Leben lang andauert und erst im Himmel abgeschlossen ist. Manchmal denken wir vielleicht, es ändert sich gar nichts an unseren Macken und Fehlern. Doch manchmal können wir es selber spüren oder andere Menschen weisen uns darauf hin, dass wir uns zum guten verändert haben. Das wir unseren ‚Liebesmuskel‘  oder den ‚Geduldsmuskel‘ schon besser trainiert haben als vorher.

In einem katholischen Buch habe ich gestern gelesen: „Zur Lebensveränderung trägt bei, dass Gott negative Erinnerungen und Prägungen heilt. Der Heilige Geist macht uns (z.B. bei Segensgebeten und Seelsorge) auch liebevoll auf Dinge aufmerksam, die in unserem Leben nicht in Ordnung sind und zeigt einen Weg in die Freiheit.“ Etwa so wie Paulus diesen Abschnitt überschrieben hat: „Zur Freiheit hat euch Christus befreit!“ In dem Buch hieß es weiter: „Wenn wir eine bewusste Entscheidung für Jesus als Herrn unseres Lebens treffen und um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist bitten, dann öffnen wir uns für die Fülle des Lebens, die Gott uns schenken möchte.“ Das ist das, was auch Christian meinte, als er den Heiligen Geist den ‚Transformer‘ genannt hat. „Die Kraft und die Freude des Heiligen Geistes werden in unserem Leben wirksam, wenn wir Gott erlauben, unser Leben zu durchdringen und zu verändern.“

Du musst schon auf das richtige Fahrrad steigen, wenn du Unterstützung haben möchtest. Gott lässt dich auch mühsam allein durchs Leben radeln. Das gilt ‚sogar‘ für Christen. Aber wenn du Christ bist, dann hast du Gott im Heiligen Geist in dir. Aber du musst dich immer wieder neu dafür öffnen, dass er dir hilft. Auch ein E-Bike kann ich ohne die Unterstützungskraft fahren. Oder aber von der elektrischen Kraft profitieren. Meine Entscheidung! Und du? Strampelst du dich noch allein in deinem Leben ab? Oder hast du Lust diese unterstützende Kraft Gottes zu erfahren? Wir haben nachher eine wunderbare Station für euch, an der die einzelnen Früchte des Heiligen Geistes an diesem Baum hängen. Und auf der Rückseite findest du ganz konkrete Anweisungen und Tipps, wie du sie besser in deinem Leben zum Reifen bringen kannst. Amen.

OBEN
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