Predigt WonWay 20.12.2014

von / Freitag, 26 Dezember 2014 / Veröffentlicht inPredigt

 

 

 

Gott der leisen Töne – Stille und Heiliger Geist
WonWay-Predigt 20.12.2014 – Katharina Bous

Ich lade euch ein, heute einen Weg mit mir zu gehen. Einen Weg in die Gegenwart Gottes, einen Weg in die Gegenwart des Heiligen Geistes.

1. Stille und sich ‚Ein-Tunen‘

In den letzten WonWays haben wir schon viel über den Heiligen Geist gehört: Der Heilige Geist ist der Transformer, er verändert Menschen. Der Heilige Geist ist Tröster und Beistand. Durch ihn schenkt Gott den Menschen die Früchte des Heilige Geistes: Selbstbeherrschung, Frieden, Freundlichkeit… Als ich diese Predigten gehört habe, habe ich gedacht: Das klingt alles unglaublich gut. Aber wo erlebe ich das in meinem Leben konkret? Wo begegne ich dem HEILLIG. GEIST als meinem Tröster, meinem Transformer? Wie kann ich den HEILLIG. GEIST besser in meinem Leben wahrnehmen? Vielleicht so, wie ich an dieses Kofferradio herangehen würde. Wie tune ich den Empfang auf die richtige Frequenz ein? Wie stelle ich mich sozusagen auf die Frequenz des Heilige Geistes ein?

Ich habe gemerkt, dass es mir mit dem Heilige Geist oft geht wie mit dem Kofferradio hier. Das kann ich jetzt anschalten und versuchen, Musik zu hören – aber das ist schwierig: Es kommt grad nur Rauschen. Um einen Sender zu bekommen, muss ich das Radio erst einmal auf eine Frequenz ‚ein-tunen‘… und dann erst empfange ich was.

So geht’s mir oft mit Gott: Ich versuche den Heilige Geist durch Bibellesen oder Gebet in meinem Leben zu finden. Aber was ich kriege, ist nur Rauschen. Da sind viel zu viele andere Signale, die auch noch mitmischen. Das können Menschen sein, die ständig was von mir wollen, oder Stress in Schule, Arbeit, Uni, Sorgen… Die verhindern, dass ich auf Empfang gehen kann, hören kann, wo Gott in meinem Leben steckt. All das kann wie das Rauschen hier im Radio die Frequenz Gottes übertönen. Ein bisschen haben wir so eine Situation auch schon eben im Anspiel gesehen: Vor lauter Lärm konnte man den Bibeltext eben erst einmal überhaupt nicht hören.

Dieses Radio musste ich eben erst einmal ein-tunen, um einen Sender zu empfangen. Ich musste ganz genau hinhören: Wo bekomme ich Empfang? Und um das gut hören zu können, brauche ich STILLE. Denn wenn es ganz laut um mich herum ist, höre ich nicht, wann ich was empfange. Mit Stille fällt es mir leichter, die Frequenz zu finden, die ich suche.

Mit Gott ist es ähnlich. In den Psalmen gibt es einen Vers: „Sei still und erkenne, dass ich Gott bin.“ Innerliche und äußerliche Stille kann helfen, sich auf Gott auszurichten, sich ein-tunen auf die Frequenz Gottes. Stille im Gebet kann helfen, Gott in meinem Leben besser zu erkennen. Besser zu erkennen, wo der Heilige Geist mein Tröster oder Transformer sein will.

2. Stille und Warten

Zum ersten Mal selbst erlebt, dass Stille so ein Ein-Tunen auf Gott sein kann, habe ich in einem Kloster in Frankreich. Nach meinem Abi habe ich längere Zeit in der Communauté de Taizé mitgearbeitet und mit gelebt. Taizé ist eine ökumenische Klostergemeinschaft, die das ganze Jahr über internationale Jugendtreffen veranstalten. Ihr könnt euch das vorstellen wie eine internationale Jugendfreizeit mit tausenden von Leuten im Kloster. In dieser Kirche versammelt man sich drei Mal am Tag um zu beten. Das besondere an diesen Gebeten ist eine Zeit der Gebetstille in der Mitte. Dann sitzt man mit ca. 4.000 Jugendlichen in einer Kirche still vor Gott. Das ist eine absolut intensive Atmosphäre. Fragt man die Brüder, die in der Klostergemeinschaft leben, warum Stille vor Gott ihnen so wichtig ist, kann man unter Umständen diese Geschichte hören:

Eines Tages verirrt sich ein Tourist nach Taizé. Er weiß zunächst gar nicht so genau, worum es da eigentlich geht. Auch von den Stille-Zeiten im Gebet weiß er nichts. In seinem Reiseführer steht nur, die Kirche ist schön, deshalb legt er einen Zwischenstopp ein. Er kommt im Kloster an, als das Mittagsgebet schon in vollem Gange ist. Der Tourist geht also in die Kirche, um sich das Gebet mal anzuschauen. Als er die Kirche betritt, ist er erst einmal irritiert: Da sitzen tausende von Jugendlichen mit den Brüdern der Gemeinschaft, und alles ist totenstill. Nichts rührt sich. Der Tourist denkt, vielleicht warten die ja alle darauf, dass das Gebet endlich anfängt. Deshalb wartet er auch erst einmal still mit. Nach zwei Minuten hat sich aber immer noch nichts getan; alle sind immer noch mucksmäuschenstill. Der Tourist wird langsam ungeduldig. Er versteht diese lange Stille nicht. Irgendwann muss doch mal was passieren. Worauf warten die hier bloß alle? Hat vielleicht jemand seinen Einsatz für die Lesung oder so verpasst? So langsam wird das ja schon peinlich… Nach weiteren zwei Minuten Stille hält er es nicht mehr aus. Er geht zu einem der Brüder, die in der Mitte der Kirche sitzen, und zupft ihn an der Kutte: „Entschuldigung, aber warum passiert hier denn nichts? Hat jemand seinen Einsatz verpasst? Worauf warten Sie hier denn alle?“ Der Bruder sieht den Touristen irritiert an, versteht dann aber was los ist und raunt ihm mit Verschwörer-Miene zu: “Wir warten hier auf den Heilige Geist! Der müsste eigentlich jeden Augenblick auftauchen!“

Für mich trifft es diese Geschichte total gut: STILLE IST WARTEN AUF DEN HEILIGEN GEIST. Nachdem ich mich auf Gott ein-getuned habe, warte ich darauf, was passiert. Denn Stille schafft Raum für den Heilige Geist, dass Gott wirken kann wie er möchte: Als Tröster, Transformer, Beistand…

Stille ist eine Einladung an Gott, uns Menschen zu begegnen. Das muss nicht spektakulär und nach außen sichtbar sein. Aber still sein vor Gott kann dann schon dieser Sehnsucht Ausdruck verleihen: Gott, hier bin ich. Begegne du mir. Ich bin jetzt für dich da und für niemanden sonst.

Lasst uns das einmal ausprobieren – [es herrscht fünf Minuten völlige Stille im Raum]

3. Stille und Begegnung

Wir haben uns ein-getuned, gewartet auf Gott…und wenn es Gott will, kann dann das passieren, was auch Elia in dem Text hier geschieht: Gott taucht auf und begegnet. Der Text über Elia hat eine Vorgeschichte: Elia ist nämlich sozusagen der ‚Burn-Out-Prophet‘ des Alten Testaments. Er hat viele große, zum Teil auch gewalttätige Dinge für Gott getan, aber sein letztes Projekt ist ziemlich nach hinten losgegangen. Jetzt wird er von seinen Feinden verfolgt und muss fliehen. Erschöpft von der Flucht bricht er in der Wüste zusammen. Gott schickt ihm einen Engel, der ihn stärkt und zum Berg Horeb geleitet: Dort will Gott seinem geknickten Propheten begegnen. Hier spielt sich dann die Geschichte ab, die wir eben im Bibeltext gehört haben: Gott will an Elia vorübergehen. Und er tut das nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer – Gott begegnet Elia in einem leisen, sanften Säuseln. In einem Hauch schwebender Stille. Er begegnet Elia ganz leise und sanft, gar nicht wie Elia es erwartet hatte. Gott scheint manchmal ein GOTT DER LEISEN TÖNE zu sein: Er donnert Elia nicht nieder, er drängt sich nicht auf. Gott begegnet Elia hier so sanft, weil er in erster Linie auf Beziehung aus ist. Denn ein Sturm, ein Feuer, ein Erdbeben zeigen Gottes Größe, aber sie machen auch Angst. Und Angst hält auf Distanz, da kommt man nicht näher. Gott will aber keine Angst machen, sondern Menschen nahe kommen können. Wie er ja auch an Weihnachten ganz heimlich, still und leise in einem hilflosen Baby auf die Welt gekommen ist. STILLE IST EINE CHANCE, DIESEM SANFTEN GOTT NAHE ZU KOMMEN.

4. Stille und Loben

Wenn man Gott, diesem sanften, liebevollen Gott, begegnet ist und gemerkt hat, wie der Heilige Geist ganz sanft in der Stille wirkt, kann man oft nur noch eines tun: Ihn zu loben und zu preisen. Genauso, wie wir es eben schon gemacht haben. Das Verrückte ist, dass Stille sogar dieses Loben mit einschließt. Es gibt einen Psalm, den man so übersetzen kann: Die Stille ist für dich, Gott, Lobpreis. STILL SEIN VOR GOTT, VOLLER DANKBARKEIT UND FREUDE, IST LOBPREIS GOTTES ! Im WonWay funktioniert Lobpreis ja oft anders, und ich denke, das ist zum Schluss auch noch ganz wichtig festzustellen: Stille ist EIN Weg, sich auf Gott ein-zutunen. Aber Stille ist NICHT DER EINZIGE WEG. Denn es gibt GANZ VERSCHIEDENE ARTEN, sich auf Gott ein-zutunen. Für manche war die eben gemeinsam erlebte Stille vielleicht total langweilig oder nervig. Für andere war sie intensiv und spannend. Ich kann das Radio hier hin halten und habe eher schlechten Empfang; wenn ich es aber dahin halte, ist der Empfang gleich besser. Da ist jeder Mensch anders gestrickt. Aber wichtig ist, auszuprobieren:
WO UND WIE IST DER EMPFANG FÜR MICH PERSÖNLICH GUT ODER AM BESTEN?!

Still werden vor Gott ist EIN Weg, wie man auf Empfang gehen kann. Aber es ist ein Weg, der in die Gegenwart Gottes führen kann: In der Stille tune ich mich ein auf Gottes Wirken in der Bibel und in meinem eigenen Leben. Ich warte auf den Heilige Geist und sein Veränderungspotential. Und ich habe die Verheißung, dass Gott mir dann im sanften Säuseln begegnen kann, genauso wie dem Propheten Elia. Amen

OBEN
n/a