Predigt Wonway 27.06.2015

von / Montag, 29 Juni 2015 / Veröffentlicht inPredigt

Glaube I / II / III

 

Was für ein kraftvolles Lied haben wir gerade gehört, es nimmt die Geschichte auf, die die Jünger damals mit Jesus auf dem See erlebt haben und überträgt sie in die Realität unseres Lebens. Wir haben gesun­gen:
„Was würde ich dafür geben einen solchen Glauben zu haben, um aus dem Boot zu steigen auf die verschlingenden Wellen; um aus meiner ‚Komfortzone‘ herauszutreten ins Unbekannte, wo Jesus ist und mir die Hand entgegen streckt.“ Es geht um die Frage des GLAUBENS. Für manche bedeutet ‚Glaube‘: „Ich weiß etwas nicht genau. Ich bin mir unsicher. Ich GLAUBE, dass es morgen regnet, aber si­cher wissen werde ich das erst morgen.“ Für solche Menschen ist ‚GLAUBE‘ das Gegenteil von ‚WISSEN‘.  Aber stimmt das so? Ist das der Glaube von dem die Bibel spricht, der Glaube, der damals die Jünger in die vertrauensvolle Jesusnachfolge geführt hat und uns auch heute noch? Wende dich einmal kurz zu dei­nem Nachbarn und vervollständigt euch gegenseitig folgenden Satz: „Glaube ist für mich …“  

Der Glaube von dem die Bibel erzählt, macht selig alle, die daran glauben. Es ist der Glaube, der etwas be­wegt und manchmal sogar ‚Berge versetzt‘. Im Johannesevangelium steht:

Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, da­mit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht. (NT, Johannes 3,16)

Wer sich selber als Gottes VIP  annimmt – und das ist auch ein Schritt der Glaubens, der kann nicht mehr verloren gehen, sondern gewinnt das ewige Leben! Er hat eine Gemeinschaft gefunden, die innere Zufrieden­heit schenkt.

Ich stelle jetzt mal die These auf: Jeder von uns glaubt an irgendetwas. Die meisten Menschen sagen sogar: Ich glaube an (irgendeinen) Gott. Etwas diffus wird es, wenn man dann weiterfragt: „An welchen Gott?“

Und: „Wie ist dieser Gott so?“ und fragt, welche Auswirkungen dass dann für ihr Leben hat. Auch das wäre jetzt ein spannender Austausch mit dem Nachbarn: „Woran glaubst du?“ Vielleicht holt ihr das später beim Essen nach. Die Jünger jedenfalls, die Nachfolger von Jesus haben damals geglaubt, dass Jesus etwas zu sagen hat. Sie haben nach und nach erkannt, dass ER von Gott kommt; also sind sie IHM nachgefolgt.

Ich habe heute drei Gedanken zu diesem ‚Nachfolgen im Glauben‘. Ich bin gespannt, wo du dich da wiederfinden wirst!

 

  1. Schritt des Glaubens: Der besteht überhaupt erst mal darin, sich für eine Sache zu entscheiden, der es sich lohnt, nachzufolgen. Im Bibeltext um das Anspiel eben – ihr seht hier noch das Schlauchboot stehen – war das die Aufforderung Jesu an seine Jünger ins Boot zu steigen und schon mal los zu rudern. Der Einstieg ins Boot – sozusagen für ‚Glaubens-Beginner‘.

Also: als kritischer Mensch bekomme ich den Auftrag, mich so einem Boot auszusetzten, mit allen Konsequenzen. Mmhhh … Ich persönlich bin ein sehr analytischer Mensch, deshalb rattert es dann erst einmal in meinem Kopf: Beschaffenheit und Eignung des Bootes: Wasserdichte (Süss-/Salzwasser); Oberflächenspannung; Verdrängung des Wassers auf die Fläche des Bootes gesehen; Zustand und Alter des Bootes; Dichtigkeit; Verlässlichkeit des Bootsführers; Güte der Hersteller­firma; Menge u. Gewicht der Personen im Boot. Wetterlage … > Ergebnis: Ja, schwimmt, wird mich tragen, sogar mathematisch berechnet, erprobt schon durch 250 andere Menschen. Ich würde evtl. noch jemanden anderes reinsetzen und fragen: Und? Wie sitzt es sich so? Fühlt es sich sicher an? Kein Wasser­einbruch? Guuut!  Also:  schwimmt und trägt … Und nun? Untersuchung, Betrachtung beendet, oder? ICH KANN JETZT SICHER SAGEN: ICH GLAUBE, DAS BOOT WIRD MICH TRAGEN.

> So kann man ja auch an den Glauben herangehen. Ich studiere vergleichende Religionswissenschaft, lese die Bibel fünfmal durch, gehe in ein Kloster oder rede mit erfahrenen Christen – dann kann ich am Ende vielleicht sagen: Ja. Die Wahrscheinlichkeit, dass es diesen drei-einigen Gott gibt ist höher als die Wahrscheinlichkeit, dass es ihn nicht gibt. Und? Was verändert das? Ach ja, ich vergaß: da ist noch der SELBSTVERSUCH. Ich sollte vielleicht doch selber in das Boot steigen und in See stechen, um zu sehen, ob meine Berechnungen auch tatsächlich stimmen.

Ich kann über den GLAUBEN reden. Oder ich kann versuchen, JESUS konkret nachfolgen und mich darauf einlassen:

Story von meinem früheren Mentor Herbert: als Jugendlicher überzeugter Atheist / Angebot an Gott: „Gott ich gebe dir ein Jahr, um dich mir zu zeigen.“ / Einholen von Info per Bibellese, christliche Jugend­gruppe / H. hoch sprachbegabt, aber Stipendium ausgeschlagen / schließlich Theologie studiert.
Also Leute, Glaube trägt, No risk – no fun! Sei mutig! So weit zu Schritt 1 – den Mut haben, sich glaubend Gott anzuvertrauen! Ausprobieren und sehen, ob die Beziehung zu ihm hält, was sie verspricht.

> Wenn du draußen bleibst, wirst du es nie mit Sicherheit sagen können Also ist Glauben vielleicht doch ein „Wissen“?!? Und dann? Ich wurde einmal sehr inspiriert durch einen Vortrag auf einer Willow-Konferenz, die mir ein erweitertes Verständnis vom Glauben ermöglicht hat. Die Jünger, die im Boot sitzen, haben sich alle aufgemacht und sind Jesus nachgefolgt. Sie sind drin im Boot; sie glauben, mal mehr und mal weniger, aber sie sind in der Jesusnachfolge. Alles gut. Sie sind Errettete! Sie haben das ewige Leben. Und man kann sagen: Gut iss … Dieser Status wurde dort im Vortrag als „Glaube I“ bezeichnet. Doch dann tritt Jesus noch einmal in ihre Lebenssituation hinein und ruft hinaus, raus auf die Wellen, hinein in den Sturm. Auf Petrus Frage hin, ob es wirklich Jesus ist, der da draußen unterwegs ist, auf den Wellen, mitten im Sturm, antwortet Jesus ihm: “Komm her“. In diesem Moment beginnt etwas, das man als „Glaube II“ bezeichnen kann.

 

  1. Schritt des Glaubens: Der Schritt aus dem Boot. Hinaus auf´s Meer hinaus – sozusagen für Glaubens-Fortgeschrit­te. In deinem Leben wirst du auch in deinem Glaubensboot immer wieder in Flauten, Unruhe oder Sturm geraten. Das wird dich herausfordern. Du wirst Angst haben, dein Leben oder deinen Glauben zu verlieren. Wirst dich verzweifelt an der Bordwand festkrallen, um nicht den Halt zu verlieren.
    Vielleicht wird eine alte Glaubenserfahrung diese Bordwand sein, an der du dich verhältst: Du weißt, du hast dieses und jenes mit Gott erlebt, und das ist deine Gewissheit, auch in der Glaubensflaute. Oder du hältst dich an den überlieferten Worten und Geschichten fest, denn du weißt: Was Millionen Menschen über Jahrhunderte geglaubt und erlebt haben, darin kannst auch du dein Vertrauen setzen. Vielleicht klammerst du dich in der Not auch an Lieder mit Verheißungstexten oder an deine Freunde, die fest auf Gott vertrauen und folgst dann ihrem Beispiel, auch wenn es bei dir gerade Mau aussieht …

Aber dann und wann kann es sein, dass Jesus dich herausfordert und dir Mut macht, loszulassen und den Schritt ins Ungewisse zu gehen. Einen Glaubensschritt zu wagen, der sogar noch größer ist, der dir mehr abfordert, als am Altbekannten festzuhalten. Aber dann siehst du Jesus, der vorangegangen ist, der auf dich wartet, dir die Hand entgegenstreckt und sagt: „Komm!“ „Vertraue mir.“ Gehe diesen Schritt ins Ungewisse, beruflich, in einer Beziehung, finanziell …!  

So wie ich jetzt hier gerade aus dem Boot steige, über die Bordwand klettere, auf mich draußen nur schwankend, wackelnd, balancierend bewegen kann: Wenn du dich dann traust, Jesu Rufen zu folgen und du denkst: „JA! Glauben, das will ich! Ich traue mich aus dem halbwegs sicheren Umfeld meiner bisherigen Erfahrungen hinaus auf unbekannten Boden, dann wirst du zwei Erfahrungen machen:
Wenn Jesus dich wirklich gerufen hat, wirst du merken: Das Wasser trägt. Jesus trägt. Dein Glaube trägt.

Hier ein kurzer Rückblick in meine Lebensgeschichte: 18 Jahre, jung und keine Ahnung, wo´s im Leben hingehen soll. Das einzig klare war: Ich werde keine Theologie studieren, und ich will nicht in einen reinen Bürojob wie mein Vater. Da war sogar die Frage im Raum, die Landeskirche zu verlassen und in eine Freikirche zu gehen, weil die irgendwie mehr Spaß am Gemeindeleben zu haben schienen. Und dann, nach einem Prozess von ca. einem Jahr war für mich dann doch klar: Ich habe zwar immer noch keine Lust auf 7,5 Jahre Theologie-Studium, auch nicht so richtig auf Landeskirche. Aber wenn Gott die Kirche nicht loslässt, habe auch ich kein Recht dazu, und er wird mich auch im Studium nicht loslassen! Also habe auch ich, einen Deal mit Gott gemacht: „Ok, Gott, ich studiere, ich werde Pfarrer, so lange wie du mich als Teil dieser Kirche siehst. Und Gott, damit du´s gleich weisst: ich mache dass dann so 5 – 10 Jahre, und dann will ich eine Jugendpfarrstelle.“ Das war 1990. Viele Jahre vergingen, und ich habe daran gar nicht mehr weiter gedacht. Jahre später, 2009, habe ich die rheinische Landeskirche dann verlassen, um auf Spendenbasis für die Ju­gendgemeinde youcom zu arbeiten. Und da fiel es mir wieder ein: Vor 19 Jahren hatte ich gesagt: „Mein Glaube ist mir so wichtig! Ich kann keinen Beruf ausüben, in dem ich von dieser Hoffnung, von diesem Fundament meines Lebens nicht erzählen kann.“

Also bin ich über den Bootsrand gestiegen und in eine ungewisse berufliche Zukunft gegangen und habe mit Gott ein paar Absprachen getroffen. Und 19 Jahre später schaue ich wieder auf mein Leben: War offiziell aus der Landeskirche raus, arbeitete aber weiter für sie – in einer Jugendgemeinde! Ich kann euch sagen: mir haben über die Jahre immer wieder die Knie gewackelt vor Angst und Ungewiss­heit! Aber es lohnt sich, Gottes Ruf zu folgen!

Als wir letztes Jahr im Januar das Referat und die Themen zu ‚Glaube I‘ und ‚Glaube II‘ gehört haben, ha­ben wir in der Jugendgemeinde und in der Gesamtgemeinde intensiv diskutiert:

> Wollen wir ein SonRiseCafe einrichten? Können wir das überhaupt leisten, an vier Tagen in der Woche verlässlich die Türen unseres Gemeindehauses zu öffnen und für Menschen da zu sein, zu kochen? Einige sagten: Nein, das schaffen wir nie; wir haben doch schon jetzt mehr als genug zu tun!

> Weiter haben wir uns damals gefragt: Wollen wir PAIS in unsere Gemeinde hineinnehmen? Haben wir das Geld für drei solche ganz besonderen FSJler (wo wir vorher nur einen ‚normalen‘ hatten)? Wird das passen?

Glaubt mir bitte: Beides waren für mich und viele andere damals echte ‚Glaube II“-Schritte‘!! Und 18 Monate später kann ich nur sagen: „DANKE Heiliger Geist, dass Du uns gerufen hast und uns Mut gemacht hast!“ Denn die Anträge, die wir damals gestellt haben, um finanzielle Hilfe für PAIS zu bekommen, wurden abgelehnt. Wir haben gezögert, sind etwas eingesunken. Und dann doch weiter gegangen! Dann ging es um die Frage, ob es nach dem Sommer 2015 mit PAIS weitergehen soll bei uns. Und wir haben wieder alle „Ja“ gesagt, etwas mutiger dieses Mal. Und dann kam vor sechs Wochen die Zusage vom Kirchenkreis auf 3 X 10.000,- € finanzielle Unterstützung zur Finanzierung von PAIS in den nächsten drei Jahren!

Natürlich fragt man sich da: „Warum konnte diese Zusage nicht schon beim ersten Antrag vor 18 Monaten kommen?“ Ich weiß es nicht. Wollte Gott sehen, ob wir bereit waren, auf´s Wasser zu gehen? Ich kann Gottes Gedanken natürlich nicht ergründen, aber ich weiß: Es tut gut, wenn man auf einem solchen Weg immer wieder ‚Bestätigungs-Bojen‘ bekommt. Und dann dürfen wir auch ein wenig feiern und weiter mutige Schritte gehen…

BIS… der Zweifel dann doch wieder kommt.

 

  1. Schritt des Glaubens: Und wenn ich dann zweifele und zu versinken drohe – an wen wende ich mich dann?

„Als Petrus aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: ‚Herr, hilf mir!‘“

Leben in der Nachfolge, Leben im Glauben an den lebendigen Gott ist kein paradiesisches Leben und kein Leben ohne Sturm!

Im Gegenteil führt es dich oft genau hinein in den Sturm. Zweifel bleiben nicht aus. Und was macht Petrus als seine Zweifel, seine Angst, sein Erschrecken ihn einholen? Bekreuzigt er sich und verabschiedet sich nach dem Motto: „und Tschüss!“? Paddelt er hastig zurück ins Boot? Verflucht er Jesus, weil der ihn auf die blöde Idee gebracht hat? Nein. Interessanter Weise nicht! Er wendet sich vielmehr an den, der ihn in den Schlamassel gebracht hat: Er ruft: Herr – hilf mir! Im Versinken, im Chaos, in der Angst wendet er sich an den, von dem er weiß, dass er helfen kann. In dem Willow-Vortrag kam das damals nicht vor, aber für mich ist das klar ‚Glaube III‘. Ein Mensch, der Gott verflucht nicht oder sich von ihm abwendet, wenn es im Leben richtig schwierig wird, wenn ihm das Wasser bis zum Halse steht und der Untergang droht, sondern der sich ausstreckt nach Gott; der Hilfe erwartet vom Grund seines Glaubens. Das ist ‚Glaube III‘, ein Glaube, der nicht aufgibt, wenn es schwierig wird. Für den Anfechtung, Zweifel und Angst kein Gründe zum Weglaufen sind, sondern eher dazu, sich noch fester, ja fast verzweifelt, an dem festzuhalten, dem er nachfolgt.

Es gibt in der evangelischen Kirche zwei große Bekenntnisschriften, die die Grundlagen unseres Glaubens erklären. Das ist der kleine, bzw. große Katechismus von Luther und der Heidelberger Katechismus. Beim Heidelberger Katechismus lautet die erste Frage: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Ster­ben?“

Und die Antwort beginnt so: „Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mein, sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin …“. Das ist Glaube! Zu wissen, wohin man gehört. Bei wem ich im Leben und im Sterben geborgen bin. Wem ich mich mit al­lem, was ich bin und habe in meinem Leben, anvertrauen kann.

> im 1. Schritt: Hinein ins Boot des Glaubens!

> im 2. Schritt: Dann irgendwann aber auch wieder heraus aus dem verhältnismäßig sicheren Boot auf‘s Wasser!

> im 3.Schritt: Wenn ich drohe unterzugehen zu wissen, an wen ich mich dann vertrauensvoll wenden kann.

Wie ist das mit deinem Glauben? Wo stehst du?

> Vor dem Boot, noch fragend, ob du dich da hineinwagen sollst, ob du alles im Vorfeld genug gecheckt hast, wie es so aussieht mit Gott und dem Glauben?

> Im Boot aber am Bootsrand, weil du spürt Gott hat gerade einen besonderen Auftrag für dich, und du solltest ge­hen, allen Risiken zum Trotz?

> oder gerade in schwerer See mit hohen Wellen, eher sinkend und zweifelnd?

Zu guter Letzt und vielleicht zur Beruhigung von manchen unter euch:

Jesus hat die Hand ausgestreckt, Petrus ein wenig getadelt, aber dennoch gerettet und ist dann mit ihm zusammen wieder ins Boot gestie­gen. Wir dürfen uns manchmal auch einfach nur ruhig und sicher fühlen und ein wenig ausruhen im Boot, in der Gemeinschaft mit anderen Christen und Jesus. Amen.

OBEN
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