Predigt – WonWay Ostersamstag 15.4.2017 „Und was ist, wenn ich auf die Schnauze falle, wenn ich versage?“

von / Donnerstag, 20 April 2017 / Veröffentlicht inPredigt

Im Vorfeld: Schriftlesung: Mk 14, 17-31 – Hoffnung für alle Übersetzung (Abendmahl, Ankündigung von Verrat und Verleugnung) Verteilte Rollen!

Jesus feiert mit seinen Jüngern das Passahmahl

17 Am Abend kam Jesus mit den zwölf Jüngern.

18 Beim Essen erklärte er ihnen: »Ich versichere euch: Einer von euch, der jetzt mit mir isst, wird mich verraten!«

19 Bestürzt fragte einer nach dem andern: »Du meinst doch nicht etwa mich?«

20 Jesus antwortete: »Es ist einer von euch zwölf, der mit mir das Brot in die Schüssel getaucht hat.

21 Der Menschensohn muss zwar sein Leben lassen, wie es in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist; aber wehe dem, der ihn verrät! Dieser Mensch wäre besser nie geboren worden.«

22 Während sie aßen, nahm Jesus ein Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot in Stücke und gab es ihnen mit den Worten: »Nehmt und esst! Das ist mein Leib.«

23 Anschließend nahm er einen Becher Wein, dankte Gott und reichte ihn seinen Jüngern. Sie tranken alle daraus.

24 Jesus sagte: »Das ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird zur Vergebung ihrer Sünden vergossen.

25 Ich versichere euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis ich ihn wieder in Gottes Reich trinken werde.«

26 Nachdem sie das Danklied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Jesus kündigt seine Verleugnung durch Petrus an

27 Unterwegs sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Ihr werdet euch alle von mir abwenden. Denn in der Heiligen Schrift steht: ›Ich werde den Hirten erschlagen, und die Schafe werden auseinanderlaufen.

28 Aber nach meiner Auferstehung werde ich nach Galiläa gehen, und dort werdet ihr mich wiedersehen.«

29 Da beteuerte Petrus: »Wenn sich auch alle anderen von dir abwenden – ich halte zu dir!«

30 Jesus erwiderte: »Ich versichere dir: Heute Nacht, noch ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.«

31 »Ausgeschlossen!«, rief Petrus. »Auch wenn es bedeutet, dass ich mit dir sterben muss, werde ich das niemals tun!« Alle anderen Jünger beteuerten dies ebenfalls.

 

 

 

 

 

 

Predigt vom Abendessen/mahl-Tisch aus.

Das muss ein ziemlich krasses letztes Abendessen gewesen sein, welches Jesus mit seinen Freunden gefeiert hat.

Das Wissen: Es ist das letzte Essen.

Das Wissen, dass Judas ihn verraten hat,

dass seine Freunde ihn alle verlassen werden

und dass auch ein vorlauter Petrus ihn verleugnen wird: „Dreimal wirst du mich verleugnen.“ Ausgeschlossen – auf keinen Fall ruft der Petrus. Selbst wenn ich sterben müsste, würde ich das nicht tun.“

Und dann gehen sie in den Garten Gethsema.

Jesus bittet Petrus, Jakobus und Johannes mit ihm zu wachen, während er betet.

Doch sie schlafen ein. Sie lassen Jesus an diesem schwersten Abend seines Lebens allein.

Einmal – zweimal –dreimal.

Was für eine Enttäuschung.

Dann kommt schon der Verräter mit den römischen Soldaten und führen ihn nach einem kurzen Handgemenge ab…

Markus 14, 50: „Entsetzt verließen ihn jetzt alle Jünger und flohen.“

 

Binnen weniger Stunden wurde aus einer Schar überzeugter Nachfolger – ein Haufen kopfloser Angsthasen.

Binnen 4 Tagen wurde aus dem gefeierten Mann, für den man beim Einzug in Jerusalem Palmen und Kleidung auf den Weg gelegt hatte, ein einsamer Jesus in römischem Gewahrsam.

Es kommt zu einer Fadenscheinigen Gerichtsverhandlung, in der die Zeugen sich widersprechen, aber die Verhandlung war so wie so nur eine Farce.

Und wo ist Petrus? Der Vorlaute? Der, der lieber sterben will, als Jesus zu verleugnen?

Er hatte sich immerhin bis in den Hof vor der Gerichtsversammlung gewagt:

Mk 14 Petrus behauptet, Jesus nicht zu kennen

66 Petrus war immer noch unten im Hof. Eine Dienerin des Hohenpriesters kam dazu

67 und bemerkte, wie er sich am Feuer wärmte. Sie sah Petrus genauer an und sagte: »Du gehörst doch auch zu diesem Jesus aus Nazareth!«

68 Doch Petrus behauptete: »Ich weiß nicht, wovon du redest!« Schnell ging er hinaus in den Vorhof. Da krähte ein Hahn.

69 Aber auch hier entdeckte ihn die Dienerin und sagte zu den Umstehenden: »Das ist auch einer von denen, die bei Jesus waren!«

70 Wieder bestritt Petrus es heftig. Doch nach einer Weile sagten auch die anderen, die dort standen: »Natürlich gehörst du zu seinen Freunden; du kommst doch auch aus Galiläa!«

71 Da rief Petrus: »Ich schwöre euch: Ich kenne diesen Menschen überhaupt nicht, von dem ihr da redet! Gott soll mich verfluchen, wenn ich lüge!«

72 In diesem Augenblick krähte der Hahn zum zweiten Mal, und Petrus fielen die Worte ein, die Jesus zu ihm gesagt hatte: »Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.« Da fing Petrus an zu weinen.

 

Eigentlich ist die Geschichte von Ostern bis zu Jesu Hinrichtung – eine einzige Erzählung von Versagen:

  • Jesus wird dem Anspruch an einen Messias, einem Retter von der römischen Besatzungsmacht, nicht gerecht und wird letzten Endes von seinen eigenen Leuten angeklagt und stirbt elend am Kreuz
  • Einer aus dem engsten Kreis verrät Jesus
  • Die Jünger, die mit Jesus unglaubliche Dinge erlebt haben, laufen davon.
  • Petrus leugnet sogar, Jesus zu kennen und mit ihm unterwegs gewesen zu sein.

Was für ein Haufen Versager.

Sie bleiben hinter ihren eigenen Ansprüchen zurück und stehen nicht zu ihrem Wort.

Der Verräter hängt sich schließlich selber auf.

Die anderen verstecken sich in einem verbarrikadiertem Haus.

Es trauen sich nur wenige, zur Kreuzigung zu kommen.

Die Lebensträume sind kaputt. Die geistlichen Ideale zerschmettert. Der Glaube tot, wie der Messias, an den sie geglaubt haben.

Was für Versager. Wegläufer. Feiglinge.

Gut, dass das 2000 Jahre her ist – und wir anders sind.

Oder?

Wir stehen doch immer zu unserem Wort.

Wir verteidigen unsere Ideale.

Wir lügen nicht, geben nicht an und sind treu, bis in den Tod.

Gut, dass wir nicht schlecht über unsere Freunde reden, keinen Menschen verraten oder ihm in den Rücken fallen, wenn wir mit ihm unzufrieden sind.

Gut, dass wir Menschen sind, auf die unsere Freunde sich 100% verlassen können, weil wir immer für sie da sind, und sogar für sie einstehen, wenn sie unpopulär geworden sind.

 

Oder?

Fallen wir nicht auch immer wieder auf die Schnauze?

Versagen wir nicht auch an unseren Idealen und Werten oder den Ansprüchen, die andere an uns stellen?

Sind wir – auch wir Christen – wirklich immer die standhaften, ehrlichen, freundlichen und liebevollen Menschen, die wir nach dem Bilde Christi ja sein sollten?

 

  • Nein.
  • Wir versagen auch. Immer wieder. Sind wie die Jünger, die nicht halten, was sie versprechen, die weglaufen oder falsche Entscheidungen treffen.

Was bedeutet das?

Was macht das mit uns?

Wie gehst du mit deinem Versagen um?

Ich bin vor zwei Wochen über ein Whatsapp Profil gestolpert, das jemand hat, den ich kenne: „Do we get, what we deserve?“ Bekommen wir, was wir verdient haben?

Das kann man in zwei Richtungen verstehen:
Die positive wäre: „Ich bin so gut, dass mir ganz viel zusteht: Bekomme ich das denn alles?“

  • Oder die negative Lesart: „Werde ich die Rechnung meiner Taten zahlen müssen? Werde ich das ertragen müssen, was mir eigentlich zusteht?“

 

Eigenes Versagen führt oft auch zu schlechtem Gewissen.
Judas hat sich selber erhängt, als er die Folgen seiner Tat sah.

Petrus hat bitterlich geweint.

Wie gehst du mit deinem Versagen um?

Eine gute christliche Tradition ist die Beichte. Evangelische können das übrigens auch. Beichten heißt: Ich gestehe meine Schuld ein. Ich hoffe, dass ich davon freigesprochen werde. Ich brauche es, dass mir jemand zuspricht: Darunter musst du nicht mehr leiden.

 

Denkt ihr, dass Beichte etwas aus der Vergangenheit ist? Etwas Veraltetes, als Menschen noch ein Gewissen hatten und als die Grenze zwischen Gut und Böse klarer war?

Bei Facebook hat die Seite „Dein Beichtstuhl“. 934,299 likes ·

105,308 beteiligen sich akiv.

Bei Instagramm hat die Seite „Mein Beichtstuhl“ 1,4Millionen Abonnementen. (auch einige von euch=))

Es gibt die Homepages: Mein beichstuhl.de / Dein beichtstuhl.de

Ich weiß, dass einige dieser Seiten mittlerweile nicht mehr nur für die Beichte genutzt werden, sondern um sich gerade mit Aussagen im sexuellen Bereich interessant zu machen….

Aber der Gedanke hinter all diesen Seite ist: „Wohin mit meinem Versagen?“

Was tun, wenn ich hinfalle?

Auf einem meiner Kaffeebecher steht: „Hinfallen. Krone richten. weitergehen“ So leicht ist das aber nicht, wenn´s dich mal so richtig auf die Nase gelegt hat.

 

Du willst alles richtig machen. Wirklich.

Aber dann klappt es doch nicht.

 

Was war das für eine Runde dort am letzten Abend … beim Abendessen. Beim Abendmahl. Jesus hätte seinen Freunden nochmal so richtig den Kopf waschen sollen. Macht er aber nicht.

Er feiert sogar noch die Gemeinschaft mit ihnen. Er wäscht ihnen die Füße.
Er setzt sich mit denen an einen Tisch, die ihn ans Kreuz bringen, die ihn im Stich und alleine lassen.

Er setzt etwas ein, dass wir heute noch feiern.

Er schenkt ihnen und uns etwas, wie wir mit unserem Versagen umgehen können.

Unser Herr Jesus Christus in der Nacht, da er verraten ward,

nahm er das Brot, dankte und brach’s

und gab’s seinen Jüngern und sprach:

Nehmet hin und esset.

Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird.

solches tut zu meinem Gedächtnis.

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl,

dankte und gab ihnen den und sprach:

Nehmet hin und trinket alle daraus.

Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut,

das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.

 

Man könnte meinen: Ostern ist die Geschichte von Versagen.

Doch mittendrin hören wir die Einladung dessen, der verraten wurde, der uns aber einlädt mit den Worten: „Kommt. Schmeckt uns seht wie freundlich der Herr ist.“

Die Band kommt nun nach vorne und wird uns in das Lied „Führ mich an dein Kreuz“ anleiten.

Wir laden euch ein – mitzusingen – und euch ans Kreuz einladen zu lassen.

Auf dem Fußboden seht ihr in der Mitte ein doppeltes-Kreuz. Stellt euch bitte entlang der Linien auf. Wir singen dabei das Lied.

Lied & Auftellen!

.more: Einladung zum Abendmahl, wer nicht möchte, gibt weiter.

Evtl noch ein Teil aus dem Lied zum Abschluss ..oder weitersingen? : Führ mich…

.message: „Was ist, wenn ich versage?“ Teil II Jünger/ Petrus/ Wir

  • Mehrere Gebets-/Beicht-ecken anbieten!

 

Karfreitag starb Jesus tatsächlich am Kreuz auf Golgatha.

Eine Geschichte des Versagens?

Vor zwei Wochen hat mir jemand einen Satz geschickt, der diese Aussage widerlegt:

Jesus hat an und vor dem Kreuz eine Entscheidung getroffen. ER wollte lieber für dich ich die Hölle gehen, als ohne dich in den Himmel.“

Das ist krass und pointiert formuliert.

Im Kern ist es aber genau das, was passiert ist:

2. Kor 5, 21 Denn Gott hat Christus, der ohne jede Sünde war, mit all unserer Schuld beladen und verurteilt, damit wir freigesprochen sind und vor ihm bestehen können.

Jesus hat stellvertretend für uns, unser Versagen auf sich genommen, hat es in den Tod am Kreuz – in den Kampf der Hölle mit hineingenommen –und uns damit einen Ausweg, einen Umgang mit unserem Versagen angeboten.

Aber –Gott sei Dank: Das war nicht alles.
Denn er nahm nicht nur unsere Schuld, unser Versagen mit ans Kreuz, sondern er überwand dann auch die größte Trennung von allen:
Die Trennung von Gott und Mensch und auch die Trennung von Mensch und Mensch, die durch unser Versagen so oft herbeigeführt wird.

  • Das Wunder passierte.
  • Keiner hat´s geglaubt
  • Auch die frommsten nicht, die Jünger nicht.. keiner.
  • Christus überwindet den Tod.
  • Gott holt ihn aus dem Grab wieder heraus. Der Tod, das Versagen, die Trennung haben nicht mehr das letzte Wort.

 

Wahnsinn. Nein – kein Wahnsinn! Sondern eine neue Realität!

Und Jesus?

Der rechnet nach der Auferstehung nicht mit all den treulosen Kerlen ab.

Er kommt nicht und sagt: Habe ich´s euch doch gleich gesagt.

Er begegnet ihnen so, wie sie es brauchen:

  • Den Frauen am Grab. Sie, die in der Männergesellschaft nichts zu sagen haben, werden zu den ersten Freudenboten.
  • Den Jüngern in ihrem verschlossenen Zimmer, in dem sie sich versteckt haben.
  • Den Emmausjüngern auf ihrem enttäuschten Weg zurück in ihre altes Leben.
  • Dem zweifelnden Thomas in einer extra Begegnung.

 

  • Und Petrus… an ihm können wir ganz besonders erfahren, was es für uns bedeutet, wie Jesus mit unserem Versagen umgeht.

Vielleicht möchtest du die Augen schließen und es so hören, als würde Jesus mit dir sprechen:

Der auferstandene Jesus hat mal wieder mit seinen Jüngern gegessen.
Joh 21, 15-17

15 Nachdem sie an diesem Morgen miteinander gegessen hatten, fragte Jesus Simon (PETRUS): »Simon, Sohn von Johannes, liebst du mich mehr als die anderen hier?« »Ja, Herr«, antwortete ihm Petrus, »du weißt, dass ich dich lieb habe.« »Dann sorge für meine Lämmer«, sagte Jesus.

16 Jesus wiederholte seine Frage: »Simon, Sohn von Johannes, liebst du mich?« »Ja, Herr, du weißt doch, dass ich dich lieb habe«, antwortete Petrus noch einmal. Da sagte Jesus zu ihm: »Dann hüte meine Schafe!«

17 Und ein drittes Mal fragte Jesus: »Simon, Sohn von Johannes, hast du mich wirklich lieb?« Jetzt wurde Petrus traurig, weil Jesus ihm nun zum dritten Mal diese Frage stellte. Deshalb antwortete er: »Herr, du weißt alles. Du weißt doch auch, wie sehr ich dich lieb habe!« Darauf sagte Jesus: »Dann sorge für meine Schafe!

 

3 mal: „Hast du mich lieb?“

JA – „Dann sorge für meine Lämmer. Weide meine Schafe.“

  • Die dreifach Verleugnung des Petrus wird von Jesus liebevoll mit einem dreifachen neuen Auftrag versehen.
  • Das Versagen ist Vergangenheit.
  • Ein vertrauensvoller Auftrag wird erteilt und stellt die Beziehung wieder her.

Jesus stellt die zerbrochen Beziehungen wieder her.

Und er setzt neues Vertrauen in sie.

Weide meine Schafe!

Du Gestrauchelter. Du Treuloser. Du Großschwätzer. Du Lügner. Du Wegläufer,…Weide meine Schafe.

Was also tun, wenn ich auf die Schnauze falle?
Wenn ich versage?

Dann darf ich mich einladen lassen von Jesus, dem Gastgeber des Abendmahls. Von dem, der sagt: Kommt – schmecke und sieh – ich freundlich ich dir gesonnen bin.

Komm unter mein Kreuz – und lass mich deine Last und dein Versagen von deinen Schultern nehmen.

Komm –ich will dich neu senden. Denn ich liebe ich. Ich eröffne dir neue Wege.

Do I get, what I deserve? Bekomme, was ich verdiene?

NEIN! Jesus nimmt alles auf sich. Dort am Kreuz von Golgatha. Er bezahlt für meine Sünden. Meine Schuld, mein Versagen.

Und für dich auch.

Und dann will er dich wieder neu senden! Beauftragen. Dich gebrauchen. Dein Leben sinnvoll nutzen. Beim Abendmahl kannst du es erleben. Aber auch im Gebet, im Gespräch, in der Beichte.

  • Im nächsten Lied hören wir diese Botschaft: Versöhnt, durch dein Blut – für immer befreit. Erlöst durch dein Blut – durchs Kreuz sind wir vereint.
  • Gebets- und Beicht-ecken..

(Amen)

Eine Predigt von Maik Sommer

 

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